Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1617183
Architektur. 
Die sog. 
Schatzhäuser vielmehr Gräber 
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desselben, wie es in Mykene der Fall, oder sogar entfernt von der Stadt, 
wie der Tholos von Baphio bei dem alten Amyklae, der sich ganz isolirt 
und ohne Möglichkeit der Verbindung mit einem Palaste inmitten einer 
offenen Ebene auf der Spitze eines F elsens erhebt. Dann erfordert eine 
Schatzkammer einen Verschluss, der völlig sichernd doch leicht zu hand- 
haben ist, welche beide Bedingungen der Tholos von Mykene ebenso 
wenig erfüllt, indem der Eingang nicht die geringste Spur von Thüran- 
gellöchern und ähnlichen Vorrichtungen zeigt, so dass es keinem Zweifel 
unterliegen kann, der Verschluss sei durch eine angelehnte Steinplatte 
hergestellt gewesen, welche trotz der Unbequemlichkeit des Oeffnens 
und Verschliessens doch keine Sicherheit gewährte. Für einen Palast- 
theil muss ferner die künstliche Erdaufschüttung über dem Raume, wie 
die Tumulusform ungeeignet erscheinen, während endlich an einem Ge- 
wölbe, das blos schützen und das Kostbare nur als Magazin aufnehmen 
sollte, die reiche Ausschmückung der Wände mit Bronzeblech, wie der 
üppige Reliefschmuck des Portals nur befremden könnte. 
Alle diese Eigenthümlichkeiten, einiger anderen weniger belang- 
reichen nicht zu gedenken, dürften daher auf einen andern Zweck hin- 
weisen, auf welchen sie einzeln und zusammen passen, nemlich auf die 
Bestimmung der Tholen als Grabmäler. Die Lage vor der Burg, die 
Erdüberschüttung und Tumulusform, die Unmöglichkeit der Verbin- 
dung mit andern Gebäuden, der Verschluss durch eine Steinplatte, die 
aufwandvolle Eingangsdecoration und der fürstliche Reichthum der 
Wandbekleidung kommen dieser von Welcker, Mure und Göttling ver- 
tretenen Annahme auf's Förderlichste entgegen und werden von den 
Analogien jenseits des ägäischen Meeres überzeugend unterstützt. Mög- 
licherweise versteht Pausanias unter seinen Thesauren der Atriden, ob- 
wohl er auch von deren Königsgräbern spricht, die Tholen wirklich, 
deren hervorragendsten wir geschildert haben; allein Pausanias kannte 
Mykene ebenso wie wir nur aus den Ruinen und konnte sich irren, wie 
er es ja bekanntlich als Patron aller Ciceroni auf classischem Boden mit 
der Begründung seiner Traditionen nicht sonderlich genau nahm. Pyl's 
Hypothese aber mag insofern ihre Richtigkeit haben, als die Tholen 
selbst nicht als Bestattungsraum, als welchen wir die kleinen Nebenkam- 
mern zu betrachten haben, sondern für den Todtencult bestimmt waren, 
der bei einem heroischen Königsgeschlechte vorausgesetzt werden darf. 
Nicht selten mochte freilich ein kleiner Grabraum im Innern des 
Tumulusdenkmals genügen, wie solche, nur für einen Aschentopf gross 
genug, in den über der Bestattungsstelle der vor Troja gefallenen 
Helden aufgeschütteten und zum Theil noch erhaltenen Grabhügeln 
REBER. Gesch. (I. a. Kunst. 13
        

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