Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1617149
Architektur. 
Heroische Königshäuäer. 
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Freier im Hauptsaale den Schlummer der Penelope nicht störte und 
auch nur wie ein dumpfes Stöhnen zu den-Ohren der Mägde drang. An 
die dritte, wahrscheinlich dem Eingang gegenüber liegende Seite gränzte 
dann der Männersaal, eine jedenfalls sehr geräumige, gedeckte Halle, 
wenn hundertacht Freier hier den Tafelfreuden und anderer Kurzweil 
obliegen konnten. Die Decke dieses war, wie auch im Waffenzimmer 
und im ehelichen Schlafgemache, von einem Mittelpfeiler aus Holz, ver- 
muthlich an der Kreuzung der Hauptbalken gestützt, was wir uns ganz 
ähnlich auch im Palaste des Oenomaos zu Elis vorstellen dürfen, von 
welchem eine solche Holzsäule noch zu Pausanias Zeit, Alters halber 
von eisernen Bändern zusammengehalten, als Reliquie gezeigt wurde. 
Die nberusste Balkendeckeu des Männersaals gemahnt weiterhin an die 
offenen Feuer und Beleuchtungsbrände ländlicher Räume, von den 
Wänden aber wissen wir nichts, wenn wir es nicht wagen dürfen die 
schimmernden Erz-Wände von andern Palästen (des Menelaos und des 
Alkinoos) auch hieher zu übertragen und durch phönikisirende Verklei- 
dung mit Bronzeblech zu erklären. Der Raum war aber auf keinen Fall 
ohne ausgiebigen Licht- und Luftzugang, d. h. ohne Fenster, welche 
wir auch ohne Andeutung naturgemäss und den Analogien der übrigen 
Culturvölker des Alteithums entsprechend oben unmittelbar unter der 
Decke annehmen müssten. Diese Annahme aber gewinnt einen kaum 
anfechtbaren Beleg durch das homerische Bild, nach welchem sich 
Athene zur Decke aufschwang und sich dort setzte, der ruhenden 
Schwalbe vergleichbar; denn dieser Vergleich ist nur dann ästhetisch zu 
erklären, wenn man sich unter der Decke fensterartige Wandöffnungen 
denkt, in welchen sich Athene, W115 an der Decke selbst unmöglich war, 
niederlassen konnte, und gerade in diesen gewinnt das Bild von der 
Hausschwalbe erst seine volle Anschaulichkeit. Wir dürfen uns aber 
diese Ausschnitte als die Intervalle zwischen den Deckbalken denken 
und haben dann schon die Vorläufer der Metopen. 
Eine besondere Stelle nimmt noch die Schatzkammer des Palastes 
des Odysseus ein, die mächtig gewölbte geräumige Kammer, wo Gold 
und Erz gehäuft lag und Schränke mit Kleidern und Amphoren mit Oel 
und Wein herumstanden und welche an einer andern Stelle als das 
nrundea Gewölbe "bezeichnet wird. Es kann nach diesen Notizen keinem 
Ziveifel unterliegen, dass wir es hier mit einem Raume zu thun haben, 
wie noch mehre in Griechenland und zwar unter dem Namen von The- 
sauren (Schatzhäusern) erhalten sind, nemlich zu Orchomenos, bei Phar- 
salos, Amyklae und in Mykene, und von welchen namentlich eines (das 
sog. Schatzhaus des Atreus in Mykene) wenigstens im Innern baulich
        

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