Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1617122
lenische Slzunmverhältnisse 
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suchend, deren Küsten allein von Wcrth schienen, und wie in Asien das 
Hellenenthum an den Westrand Kleinasiens gebannt war, so drängte 
sich im europäischen Griechenland die gesammte Entwicklung der Ost- 
küste zu, den Italien gegenüberliegenden WVesten dagegen mehr ver- 
nachlässigend, als die frühzeitig colonisirten Küsten von Unteritalien 
und Sicilien. Der Archipel selbst bildete bequeme Standquartiere und 
Vorposten nach beiden Seiten, bot auch wohl in seinen zahlreichen In- 
selhäfen Schutz vor den rauhen Stürmen jenes Meeres, das in seiner 
berüchtigten Tücke der verhältnissmässig unentwickelten Nautik des 
ältern Griechenland doppelt gefährlich war. Nach dem Gange der Welt- 
geschichte kann es aber nicht Wunder nehmen, wenn deren Strömung 
nach Westen entsprechend die europäisch dorische Cultur weniger nach 
Asien als die ionische nach Europa tibergriff und wenn auf europäischem 
Boden jene Vereinigung und Doppelblüthe zur Entfaltung kam, die wir 
in Athen bewundern, und zwar, wie diess schon von der Natur ange- 
deutet war, an der vorgeschobensten Zunge des europäischen Griechen- 
land. Dafür rückte in dieser Culturschiebung der Dorismus, dem die 
üppige ionische Einwirkung Kleinasiens im eigentlichen Hellas das Ter- 
rain verengte, abermals weiter westwärts, und warf sich auf die Küsten 
jenseits des adriatischen Meeres, deren Denkmäler für die Geschichte 
der dorischen Cultur einen so reichen Beitrag liefern. 
Die lebhaften Verkehrsströmungen, welche sowohl über die Asien 
und Europa trennenden Meere und Meerengen als auch zwischen dem 
europäischen Festlande und der Peloponnes hin und her wogten, liegen 
auch den Sagen von den hellenischen Stammwanderungen und nament- 
lich von der sog. dorischen Wanderung zu Grunde; die naturgemäss 
etwas gespannten Beziehungen der hellenischen und halbhellenischen 
Völker diessseits und jenseits des ägäischen Meeres dagegen den Sagen 
vom Argonautenzug und vom troianischen Kriege, welche beide den 
Stempel einer gewissen seeräubcrischen Rivalität nicht verleugnen kön- 
nen. Der verhängnissvolle Mangel an Einheitsgefühl aber, der in der 
verschiedenen Entwicklung der einzelnen Länder wie in den Nachbar- 
Verhältnissen beruhte, konnte sich nicht deutlicher als durch denUm- 
stand aussprechen, dass es den Stämmen, welche sich doch insgesammt 
als durch eine unübersteigliche Kluft von allen anderen Völkern, den 
wBarbarena geschieden und diesen in geistiger Beziehung unendlich 
überlegen fühlten, doch an einem gemeinsamen Namen gebrach, denn 
die Bezeichnung Hellenen ist eine verhältnissmässig junge. 
Die homerischen Gesänge zwingen uns die geistige Entwicklung 
des Volkes, dem der unsterbliche Dichter angehörte, wenigstens im
        

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