Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1616990
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Phönikien, 
Palästina und Kleinasien. 
Reihe von blühenden Städten selbst zu einer wenigstens nicht gerin- 
geren Culturentfaltung gekommen waren, als ihre Stammverwandten 
auf der europäisch-griechischen Halbinsel. Trieb aber auch die ionische 
Kunst ihre herrlichen Blüthen nicht blos auf asiatischem Boden, sondern 
auch aus Wurzeln, die zum Theil selbst bis Mesopotamien zu verfolgen 
sind, so können wir uns doch erst bei Behandlung der griechischen 
Kunst mit diesen Zusammenhängen beschäftigen, und müssen das helle- 
nische oder hellenisirende Kleinasien, d. h. die Küstenländer und Inseln 
am ägäischen Meere an der Propontis und am Pontus vorläufig ganz 
unberücksichtigt lassen, wie überhaupt die gesammte Plastik Kleinasiens, 
und es bleiben uns hier nur einzelne bauliche Monumente der Südküste 
und des Binnenlandes übrig, welche als eigenthümlich national eine 
gesonderte Behandlung erheischen. 
Allein auch in diesen Gebieten, welche nach der antiken Bevöl- 
kerung sich in Lykien, Phrygien und Lydien gliedern, konnte die mo- 
numentale Architektur grösseren Umfangs der langen Diadochenherr- 
schaft nach Alexander dem Grossen und der nicht kürzeren römischen 
Militärverwaltung gegenüber sich nicht in ihrer Eigenartigkeit behaupten, 
und Tempel wie öffentliche Gebäude sind auch hier wie im ganzen üb- 
rigen Kleinasien griechisch oder römisch. Nur an einer Gebäudeart 
klammerte sich das Nationale fest, nemlich an den Gräbern, welche 
theils als F elsengräber naturgemäss einen stabileren Charakter begün- 
stigten und überdiess als Nachahmungen des Wohnhauses an dessen 
vom Bedürfnisse und dem verschiedenen Materiale eines jeden Land- 
striches mehr als von äusseren Einwirkungen abhängigen Typus sich 
anlehnten, theils durch ihre Massenhaftigkeit weniger Modificationen 
erlaubten, übrigens aber insgesammt, den Gedanken des Gleichblei- 
benden, Ewigen nach dem Wechsel des Lebens nahe legend, Weniger 
Rücksicht auf die Veränderung der Zeitanschauungen und der künst- 
lerischen wie technischen Fortschritte zu gebieten schienen. Wir 
haben es daher nur mit den Gräbern zu thun, die uns aber, je nach- 
dem sie Cult- oder Wohnraum als Vorbild verrathen, auch auf diese 
und deren Styl Schlüsse erlauben werden. 
Der phönikischen Küste zunächst, dem phönikischen Vorposten, 
Cypern, sogar gegenüber, liegt Lykien, den grössten Theil der Süd- 
küste Kleinasiens einnehmend. Es bietet von ganz Kleinasien die 
reichste Ausbeute durch seine nicht blos fast zahllosen zum Theil 
wohlerhaltenen Gräber, sondern auch durch die belehrende Verschie- 
denartigkeit derselben. Ganze Felswände, wie die an die Spitze dieses 
Abschnittes gestellte Abbildung der Nekropole von Myra (Fig. 87)
        

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