Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1616985
Cypern, Karthago, Malta, Balearen, Sardinien. 
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kreisförmigen, in drei Reihen übereinander befindlichen Kammern ge- 
statteten, die von innen her zugänglich als eine Art von Kasematten 
wie als Magazine gedient haben. Die zahlreichen Felsengräber aber 
sind wie in Phönikien durch eine Treppe von oben her zugänglich und 
bilden ein oblonges Gemach, um welches sich die Grabstellen in meh- 
reren tief eingeschnittenen Bogennischen gruppiren.  
Ziemlich untergeordneter Bedeutung für die phönikische Kunst- 
forschung sind dann die barbarischen Tempelreste auf der Inselgruppe 
von Malta, von welchen der Doppeltempel auf Gozzo noch am meisten 
hervorragt. Er besteht aus zwei Räumen nebeneinander, von welchen 
jeder nicht blos in eine halbkreisförmige Apsis ausläuft, sondern auch 
an jeder Seite sich in zwei ähnliche Nischen ausweitet, so dass jeder 
der beiden Räume als eine unbedeckte Zusammensetzung von 5 Apsiden 
an einem oblongen Hauptkörper erscheint. Das theilweise aus recht- 
eckigen Platten gebildete Paviment erhebt sich in drei Absätzen, welche 
mit der Einziehung des Mittelraulnes besondere Tempelabtheilungen 
verrathen. Das kyklopische Mauerwerk aber ist so roh, dass diese 
Denkmäler bei vollständigem Mangel alles Schmuckes wohl hohes 
archäologisches, aber wenig kunstgeschichtliches Interesse in Anspruch 
nehmen können, und auf die phönikische Kunststufe, welche gerade im 
Quaderbau fast Unübertreffliches seit den frühesten Zeiten geleistet, 
keinen Schluss zu ziehen erlauben. 
Mehr kunstgeschichtlichen Weith, aber weniger Sicherheit als 
phönikische Werke besitzen von den übrigen punischen Nebenländern 
die Grabdenkmäler der Balearen und namentlich Sardiniens, welche 
allerdings zum Theil durch ihre Phallusgestalt an die Denkmäler von 
Amrith erinnern, aber wahrscheinlicher etrurischer Abstammung sind, 
weil die sardinischen Gräber, abgesehen von ihrer Verwandtschaft mit 
den etrurischen, sich fast ausschliesslich an der Ostküste, somit an der 
Italien zugewandten Seite befinden, während die Punier naturgemäss 
mehr den Westen der Insel berühren mussten. 
Rücken wir nun nach der Betrachtung Phönikiens und seines aus- 
gedehnten Culturgebietes wieder um eine Stufe weiter westwärts in die 
nach dieser Richtung am weitesten vorgeschobene Warte Asiens, nem- 
lich nach Kleinasien. Wenn schon an der syrischen Küste und selbst 
bis an den Tigris hin während der Seleuciden- und Römerherrschaft 
der Hellenismus in dem Grade wucherte, dass rein nationale Werke 
verhältnissmässig selten sind, so musste der hellenische Einfluss in dem 
Lande doppelt gross sein, von welchem die Ionier den besten Theil, 
die Westküste, seit den frühesten Zeiten innehatten und wo sie in einer
        

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