Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1616958
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gesenkt, oder endlich in einen sargförmigen Stollen geschoben wurden. 
Ist der Zugang, was verhältnissmässig selten, aussen architektonisch 
charakterisirt, so verräth er entweder durch eine schwere Hohlkehlen- 
bekrönung (Fig. 97) ägyptischen, oder durch eine wenig gegliederte 
Umrahmung mit beiderseits vortretendem Sturz und durch einen 
Giebel mit eigenthümlicher den Doppelvoluten phrygischer Felsen- 
gräbcr verwandter Firstzierde (Fig. 98) vorclerasiatischen Einfluss. Wo 
sich Rankenwerk in den Giebelfeldern und Friesen findet, wie an den 
sog. Richter- und Königsgräbern, fehlt es auch nicht an stylistischen 
Spuren einer späteren vom Occident beeinflussten Periode, wenn auch 
inidemselben sowohl hinsichtlichder Erfindung wie der Ausführung 
durch eine gewisse trockene Härte das Vorbild getriebener Arbeit, 
somit phönikische Technik noch durchklingt. 
Gerade die hervorragendsten Gräber aber, wie das sog. Jacobs- 
grab und die angeblichen Königsgräber, die sog. Apostelhöhle und 
die mit wenig mehr Grund dem Absolom und dem Zacharias zuge- 
eigneten z. Th. frei aus dem Felsen herausgearbeiteten Grabdenkmale 
verrathen schon späthellenische Einwirkung, indem sie dorische Friese 
mit paterenartigen Kreisverzierungen in den lVIet0pen und dazu Säulen 
oder Halbsäulen dorischerund ionischer Ordnung zeigen, welche sogar 
vielfach mehr auf die Formen hinweisen, die sich durch die decorative 
Behandlung hellenischer Architektur von Seite der Römer ergaben. 
Doch spielt immerhin noch Einheimisches hinein, wie in dem manch- 
mal die Triglyphen unterbrechenden, oder Friese und Giebel ausfül- 
lenden vegetabilischen Schmuck (Trauben, Weinlaub, Granatapfel, 
Epheu, Lorbeer, Eicheln u. s.  namentlich aber hinsichtlich der 
Form, wie sie besonders die beiden letztgenannten Frcigräber zeigen. 
Beide bestehen nemlich zunächst in einem aus dem F elsenrücken her- 
ausisolirten Cubus von etwas über 5 M. (Zacharias-) und fast 7 M. (Ab- 
solomsgrab) nach den drei Richtungen, welcher an den Ecken mit Pilastern 
und an jeder Seite mit zwei spätionischen Halbsäulen und zwei an die 
Pilaster angefügten Vieltelsäulen gleicher Ordnung geschmückt und 
mit einem kräftigen ägyptischen Rundstab- und Hohlkehlengesims 
gekrönt ist, wozu das Absolomsgrab noch spätdorischen Friesschmuck 
fügt. Darauf erhebt sich dann bei ersterem, ebenfalls noch aus dem 
Felsen gehauen, eine 3,6 M. hohe Pyramide, dem Ganzen in seinen 
Hauptformen grosse Aehnlichkeit mit dem jetzt Schneckenthurm ge- 
nannten Grabmal von Amrith verleihend. Das sog. Absolomsgrab 
dagegen zeigt auf dem Cubus noch einen kleineren und namentlich 
niedrigeren zweiten Würfel, der aus grossen Quadern gebaut ist und
        

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