Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1616926
Plastik am salomonischen Tempel. 
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Plastik im eigentlichen Sinne einiger Boden gewährt, der jedoch dem 
künstlerischen Naturstudium ebenfalls wenig förderlich sein mochte. 
Die ersteren traten im Allerheiligsten gleichsam wie Wächter der Bun- 
deslade hingestellt als ganz selbständige kolossale Rundbilder, in Oel- 
baumholz geschnitzt und mit getriebenem Goldblech verkleidet, auf. 
Sie waren nicht mehr wie in der Stiftshütte auf dem Deckel der Bun- 
deslade und in liegender oder sitzender Stellung angebracht, sondern 
stehend zu beiden Seiten des heiligen Schreins, und waren ohne Zweifel 
auch im Style wesentlich von jenen verschieden. Mussten wir nem- 
lich bei den Cherubim der Stiftshütte die Beziehung auf assyrische 
Parallelen entschieden abweisen, indem wir den Israeliten unmittelbar 
nach dem Auszuge keine mesopotamische, sondern nur ägyptische 
Kunstauffassung zumuthen dürfen, so gilt diess keineswegs auch von 
der salomonischen Zeit, in der wir es nur mit phönikischer, mithin wie 
schon erwähnt gemischter Kunstweise zu thun haben. Die salomoni- 
schen Cherubim dürfen daher wohl den assyrischen Palastmonstren in 
der Hauptsache ähnlich angenommen und vielleicht so gedacht werden, 
dass ein Stierleib einerseits und ein Löwenleib anderseits und zwar in 
der Richtung nach vorne, d. h. dem Eingange zu aufgestellt war, wobei 
die wesentlichste Abweichung von den ninivitischen Portalhütern die 
gewesen sein mag, dass sie nicht, wie es an jenen Dreiviertelreliefs der 
Fall ist und sein musste, die Fittiche auf dem Rücken zusammengelegt,  
sondern vielmehr nach beiden Seiten wie im Fluge ausgebreitet zeigten, 
so dass die Spitzen derselben  denn jeder Koloss mass von einem 
F lügelende zum andern 10 Ellen  nach der Mitte zu über der Bundes- 
lade zusarnmenstiessen, nach aussen aber die Seitenwände des Allerhei- 
ligsten berührten. Die Bundeslade selbst und die übrigen Geräthe des 
Tempels, von welchen der Rauchopferaltar, der Schaubrotetisch und 
der siebenarmige Leuchter blieben, wie sie in der Stiftshütte gewesen 
waren, zu welchen aber ausser manchen anderen Nebendingen noch 
zehn andere Lampadophoren hinzukamen, die indess nicht in das Gebiet 
der Plastik, sondern der Tektonik gehören, waren ebenfalls mit Gold 
verkleidet oder ganz von Gold, ja das Goldbeschläge zog sich nicht blos 
durchaus über die sculpirten Holzwände, sondern selbst über die Hori- 
Zontaldecke hin. So erblickte das Auge nichts als Gold, eine Auszierung, 
welche durch die vielflammigen Leuchter wohl wirksam genug, aber 
auch in hohem Grade barbarisch war, da Wir kaum annehmen dürfen, 
dass die Ornamente durch Email farbig belebt waren. Ist es aber selbst 
bedenklich, auch nur an hervorragenden Gegenständen die Wirkung 
der Formen, mithin den künstlerischen Eindruck durch die Kostbarkeit
        

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