Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1616914
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Phönikien, Palästina und Kleinasien. 
Höhenmaasse des Heiligen das Hyperoon mitrechnete und so statt 30 Ellen 
vielmehr 60 verdoppelte, für den Portalbau statt 60 Ellen 120 ergaben. 
Mit Ausschluss des Hyperoons waren die Mauern in Quadern von 
weissem Marmor ausgeführt. Die merkwürdige Notiz, dass auf eine 
Steinschicht immer ein Cypressen- oder Cedernbalken kam, wie bei den 
Vorhofmauern auf drei Schichten ein Cedernbalken, kann ich mir nicht 
anders erklären als durch die auch sonst erwähnte Innenverschalung der 
Mauern mit Holz. Man hat sich also die Vorhofsmauer in dreifacher 
Dicke und die drei Schichten statt übereinander nebeneinander, den 
Quaderbau aber hier wie am Tempel nach innen durch Holzverkleidung 
unsichtbar vorzustellen. Darauf weist auch die Notiz hin, dass die 
Deckengebälke der einzelnen Stockwerke der den Tempel umgebenden 
Nebengebäude nicht in die Mauer selbst eingriffen, sondern von den 
Balkenlagen (der Verkleidung) getragen wurde. Vom Innern des Tem- 
pels, wozu der Durchgang durch den Portalbau nicht zu rechnen ist, 
wird auch diese Holzverschalung ausdrücklich angegeben: und dieser- 
wegen konnte auch die Scheidewand zwischen Heiligem und Allerheilig- 
stem nur ganz von Holz sein, weil hier zwei Holzverkleidungen zusam- 
menkamen, welche bei zwischengesetzter Steinwand das Ganze zu dick 
gemacht hätten, was man vermeiden wollte, obwohl man deshalb auch 
über dem Allerheiligsten in Holz fortbauen musste. Auf dieser Holzver- 
schalung aber waren wenigstens im Tempelinnern die ornamentalen 
Sculpturen angebracht, über welche dann Goldblech getrieben war. Diese 
Relief bildung in Holzschnitzwerk mit Goldüberzug vertritt demnach die 
bemalten Steinsculpturen der ninivitischen Wände, worin der wesent- 
liche Unterschied der obermesopotamischen und der phönikischen 
Kunsttechnik zu beruhen scheint. Wie die nächste Umgebung von 
Ninive den leicht zu bearbeitenden Alabaster, so bot der Libanon das 
schönste Schnitzholz und der phönikische vorzugsweise auf Metalle 
gerichtete Welthandel diese in Fülle zur Ausschmückung der Wände. 
Dass aber die Schnitzwerke des Tempels den Sculpturen von Ninive 
stylistisch wie auch gegenständlich verwandt waren, ist aus den wenigen 
darüber vorliegenden Notizen zu schliessen, denn sie stellten Cherubim, 
Palmen (den ornamentalen sog. Baum des Lebens?) und Blumenschmuck 
dar. Namhaft konnte sich indess die israelitische Bilderkunst auch jetzt 
nicht entfalten, da durch das Verbot der Herstellung von selbständigen 
menschlichen und thierischen Bildern aus Cultgründen Plastik wie Ma- 
lerei auf das Ornament beschränkt blieb. 
Nur in den Cherubim oder in den das gegossene Meer tragenden 
Stieren, welche letzteren schon oben besprochen worden sind, war der
        

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