Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1616819
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Phönikien, Palästina und Kleinasien. 
ergebenden sechs Abstände für den Durchgang zu eng, nemlich kaum 
U2 M. breit geworden wären. Zwei der Säulen aber prostylosartig an 
die Ecke zu rücken und vor die Enden der Bretterwand zu stellen er- 
scheint desshalb unstatthaft, weil dadurch die Schwierigkeit der Dielen- 
vertheilung unlösbar wird. Es dürfte daher der Mittelweg am wahr- 
scheinlichsten sein, die beiden äusseren Säulen nicht vor, sondern un- 
mittelbar neben die Wandenden gestellt zu denken, wodurch die Anord- 
nung von der Antenform sich dadurch unterscheiden würde, dass die 
beiden äusseren Intercolumnien fehlten, wie diess auch in freilich spä- 
terer aber wohl auf älteren Gebrauch zurückgehender Nachbildung das 
sog. Zacharias-, wie das angebliche Absolomsgrab (wovon unten) zeigen. 
Dadurch ergeben sich wirklich statt sechs nur vier Intercolumnien und 
zwar mit ausreichender Breite. 
Ueber 
die 
Form 
dieser 
Säulen 
haben 
wir 
keine 
Nachricht. 
Die 
ehernen Basengestelle möchten wohl an die hohen Basen der stangen- 
artigen Saulchen des späteren maurischen Styles erinnern, um so mehr 
als sie das einfache Bedürfniss so zu gestalten scheint, wie wir diess an 
den Füssen der Tragbaldachine in unseren Kirchen sehen können; allein 
diese bieten bei zu geringer Bodenfläche doch nur dann genügenden 
Halt, wenn sie in den Boden eingerammt oder wenn die Stangen qua- 
dratisch disponirt sind, so dass es am wahrscheinlichsten bleibt wieder 
an die breiten Basenplatten der ägyptischen Architektur zu denken. 
Auch im Uebrigen werden die Säulen ebenso wie die Zeltstangen des 
Vorhofes ägyptisirendi gewesen sein: unverhältnissmässig schlank aber 
bei fast 3 M. f 10 Ellen) Höhe müssen auch sie schon desshalb gewesen 
sein, weil bei normal ägyptischem oder dorischem Verhältniss die Inter- 
columnien zwischen den fünf Säulen bei der geringen Breite der Fronte 
sich vollkommen geschlossen haben würden. Es genügten auch blosse 
Zeltstangen, da die ganze Stiftshütte kein eigentliches Dach hatte, son- 
dern nur zeltartig gedeckt war, und zwar zunächst mit vierfarbigem 
Byssus, dann, wie noch jetzt die Beduinenzelte, mit Segeltuch aus Zie- 
genhaaren, ferner mit Schaaffellen und endlich mit Seehundhäuten. Da 
diese Zeltdecke vorzugsweise an den Längswänden befestigt und ge- 
spannt sein musste, reichte auch für die Säulen als Architravverbindung 
ein leichtes stangenartiges Querholz aus, so dass auch an eine eigente 
liche Gebälkbildung nicht gedacht werden kann. 
Der dreimal so lange wie breite Raum der Stiftshütte, auch durch 
diess Verhältniss dem ägyptischen Tempel nicht unähnlich, war in zwei 
ungleiche Abtheilungen gegliedert, von welchen die vordere (das Hei- 
lige f) die doppelte Tiefe der inneren (des Allerheiligsten  hatte. Wohl
        

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