Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1615173
Vorwort. 
unmittelbar nach der mesopotamischen Gruppe, nach Chaldäa, Assyrien, 
Babylonien, Persien und wohl auch Phönikien gewesen, so ist nach den letz- 
teren chronologischen und kunstbegrifflichen Erwägungen auch die völlige 
Weglassung dieses einer wissenschaftlichen Behandlung ohnediess tinfahigen 
Gebiets gerechtfertigt. -Den centralamerikanisch e n Denkmälern end- 
lich scheint meines Ermessens überhaupt keine Stelle im Gebiete der Antike 
zu gebühren, da sie viel wahrscheinlicher in die Periode des Mittelalters 
gehören. Bei gänzlich fehlender chronologischer und sonstiger cultur- 
geschichtlicher Grundlage ist aber eine geschichtliche Behandlung der alt- 
amerikanischen Kunst nahezu unmöglich und wäre überdiess wegen ihrer 
Zusammenhangslosigkeit mit den Culturländern der alten Welt auch kaum 
irgendwie von Nutzen. 
Dass nach Ausscheidung dieser bedenklichen Elemente der übrigblei- 
bende Stoff in die beiden Hauptabtheilungen Orient und Occident zerfalle, 
von welchen der erstere Aegypten, Chaldäa, Babylonien, Assyrien, Persien, 
Phönikien mit Palästina und Kleinasien, der letztere Hellas, Etrurien und 
Rom zu umfassen habe, war zweifellos. Nicht aber die Entscheidung der 
Frage, welchem Culturvolke die V oranstellun g gebühre. Bekanntlich 
streiten sich Aegypten und Chaldäa in neuerer Zeit wie in den 1etztvergange- 
nen Jahrhunderten um den Vorrang: und die gewichtigsten Gründe stehen 
beiden hiefür zu Gebote , so dass von einer endgültigen Entscheidung vorerst 
keine Rede sein kann. Verfasser selbst hat in seiner Geschichte der Baukunst 
des Alterthums die chaldäische Völkergruppe worangestellt, und zwar, wie 
diess auch die Kritik richtig bemerkt hat, aus theoretischen Gründen. Wenn 
derselbe im vorliegenden Buche zur gangbaren Anordnung, welche Aegypten 
an erste Stelle zu setzen lallegt, zurückgekehrt ist, so geschah es nicht dess- 
halb, weil er in jener einen Irrthum erkannt hat, da, wie gesagt, beides sich 
vertreten lässt, sondern einiger formalen Consequenzen wegen. Es mussten 
die Ableger chaldäischer Kunsttradition des unmittelbaren Zusammenhanges 
wegen bis in die Sassanidenzeit herab derselben angeschlossen werden , wo- 
durch Aegypten, welches in der Reihung darauf folgte, sich allzuweit von sei- 
ner chronologischen Stelle entfernte, anderseits aber auch die Verbindung, 
in welcher die ältest europäische, d. h. hellenische und italische Kunst mit 
Vorderasien steht, minder klar zur Erscheinung kam. Ich habe mich aus 
diesen Gründen entschlossen, Aegypten voranzustellen, welches, wie mehrfach 
zu zeigen Gelegenheit sein wird, zwar nicht ohne Einwirkung auf die übrigen 
Culturvölker geblieben, aber bei weitem nicht von so tiefgreifendem Einflüsse 
namentlich auf den Westen gewesen ist, wie Vorderasien , wodurch die von 
Ost nach West vorrückende Kunsttradition im ganzen übrigen Buche klarer
        

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