Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1616751
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1d Kleinasien. 
Phönikien, Palästina m 
aus dem Felsen gehauenes Haus in Amrith, und ein gebautes in drei 
Streifen gegliedertes Portal in Um-el-Auamid zu erwähnen sein, dessen 
Mittelstreifen im Sturzblock mit dem geflügelten und durch beiderseits 
angebrachte Uräosschlangen noch entschiedener ägyptisirenden Discus 
geschmückt ist. Ich zweifle nicht, dass die phönikische Architektur ihre 
Decoration gewöhnlich aus den Cedern des Libanon und aus den Me- 
tallen der überseeischen Handelsplätze bestritt, und dass gerade des- 
halb die erhaltenen Denkmäler so spärlich und so schmucklos sind. 
Diess erklärt uns auch die Dürftigkeit der plastischen Reste, 
welche zu der nach aller Ueberlieferung ausgedehnten phönikischen 
Bildnerkunst oder vielmehr Kunstindustrie in gar keinem Verhältnisse 
stehen. Schon die ältesten Quellen, wie Homer, weisen auf die syrische 
Küste als die Heimat aller Kunstfertigkeit in Metall, Thon und Weberei 
hin. Steinbilder waren selten; als das bevorzugte Material für die pho- 
nikische Plastik sind vielmehr die Metalle zu betrachten, obgleich der 
Guss, wie an den beiden Säulen am Tempel von Jerusalem, nur ver- 
einzelt versucht ward und die gewöhnliche Technik die war, das Bild- 
werk, sei es nun im Runden oder im Relief, aus Holz herzustellen und 
dieses dann mit Metallblech so zu überziehen, dass auf dem Wege des 
Treibens mit dem Hammer die Metallhülle der geschnitzten Holzunter- 
lage sich genau anfügte (Sphyrelata). Diess zeigen namentlich die nach 
dem biblischen Bericht unbedenklich phönikischen Künstlern zuzuschrei- 
benden Bildwerke des salomonischen Tempels, wovon unten eingehen- 
der gehandelt werden wird. In hervorragenden Fällen war diess Metall- 
blech Gold, wie nicht blos im Tempel von Jerusalem, sondern auch in 
einem mit getriebenem Goldblech überzogenen und ein gleichfalls ver- 
goldetes Götterbilcl enthaltenden kleinen Tempel in Karthago. Seltener 
wohl Silber, obwohl bekanntlich die spanischen Silberminen seit den 
frühesten Zeiten von Phönikiern ausgebeutet wurden, und diess Metall 
wenigstens für Prunkgeschirre verwendet ward, wie die zwölf auf Cypern 
entdeckten Silberschalen beweisen, von welchen wenigstens die jetzt im 
Louvre befindliche eine jenen früher erwähnten in Assyrien gefundenen 
Bronzeschalen vollkommen verwandte Arbeit zeigt. Es wurde aber schon 
bei Behandlung der assyrischen Plastik in Betreff dieser Geschirre be- 
merkt, dass ihr Styl, der weder assyrisch noch ägyptisch, sondern aus 
beiden mit vorwiegend ägyptischem Charakter gemischt erscheint, auf 
phönikische Herkunft hinweise, wofür diese kyprischen Silbergeschirre 
eine unabweisbare Bestätigung darbieten. In den meisten Fällen aber 
mochte diese Metallhülle aus Kupfer oder Bronze bestehen, zu welcher 
das Kupfer von der phönikischen Insel Kypros geliefert, Zinn dagegen
        

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