Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1616589
Plastik. 
Unselbstständigkeit. 
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Sie opferten jedoch mit diesem Heranziehen hellenischer Eigenthüm- 
lichkeit, mit diesem Verquicken mesopotamischer und ionischer Kunst- 
weise gerade die Ursprünglichkeit und stylistische Einheit, und machten 
dadurch ihre Plastik zu einem widerwartigen Zwitterbilde unverarbeiteter 
Elemente. Dass bei dieser todten Richtung auch der Schaffensdrang 
zurücktrat und die Kunst sich räumlich mehr und mehr beschränkte, um 
zuletzt zu rein ornamentaler Uebung zu verschrumpfen, ist sehr begreif- 
lich. Man konnte überdiess eher aufhören, nach assyrischem Vorbilde 
die Wände mit Plastik förmlich zu bedecken, als die persische Archi- 
tektur selbst weit mehr als die Mesopotamiens ihre Aufgabe erfüllte, 
und aus eigenen Mitteln bestritt, was dort Plastik und Malerei decken 
musste. 
Persische Rundbilder kennen wir gar nicht. Doch sind noch mehre 
Beispiele von den halb im Runden gebildeten monstrosen Kolossen er- 
halten, welche uns von der assyrischen Plastik bekannt sind. Sie unter- 
scheiden sich in Erfindung und Detail, in ihren Verhältnissen wie in 
ihrer Placirung fast gar nicht von den assyrischen, nur dass sie etwas 
trockener sind und in ihren striemenartigen Sehnen und Adern wie in 
den fast zum Ornament stylisirten Muskeln und Haaren die Lebendig- 
keit der ninivitischen Werke eingebüsst haben. Die ornamentale Ten- 
denz bemächtigt sich namentlich, und zwar hier mit bestem Erfolge, der 
Fittiche, welche sich im Gegensatze zu den geradlinigen Federlagen 
der Vorbilder am Tigris jetzt zu jenem schmuckvollen, aber unwahren 
Schwunge umbilden, den wir von den griechischen Greifgestalten ken- 
nen. In bester Erhaltung treffen wir diese Kolosse noch an den Pro- 
pyläen des Xerxes beim Aufgange der Terrasse von Persepolis, und 
Zwar an der Vorderseite vollkommene Stiere mit verhältnissmässig unbe- 
deutenden Köpfen, an der Rückseite dagegen die schon beschriebenen 
Cherubs mit langbärtigen tiarenbekrönten Menschenköpfen. Man 
möchte fast vermuthen, dass diese rein assyrischen Portalkolosse ge- 
radezu als mesopotamische Trophäen zu betrachten sind, und sich erst 
im Laufe der Zeit im persischen Palastbau eingebürgert haben. 
Die wahrscheinlich in Backstein hergestellten Wände erhielten die 
Steinverkleidung mit dem reichen plastischen Schmuck, wie er die as- 
Syrischen Palastwände überwucherte, nicht, indem sich davon Reste er- 
halten haben müssten. Die Wandflächen waren daher wohl mit Male- 
reien geschmückt, worüber die Vermuthungen unten noch geprüft wer- 
den sollen; in dem Maasse aber, in welchem die plastische Auszierung 
zurücktrat, vermehrte sich die architektonische Belebung durch Thüren, 
Fenster und Blenden mit ihren mehrfach abgestuften Pfosten und blätter-
        

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