Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1616573
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Persien. 
mern, deren jede für drei Särge eingerichtet ist, führt. Alle Gräber 
wurden von Coste und Flandin bereits geplündeit gefunden und sind 
sonst in der Felsenhöhlung schmucklos. Viel einfacherer Art ist ein 
F elsengrab zu Serpul Zohab, äusserlich einst mit zwei freistehenden 
Säulen, aber sonst mit keinem weiteren Schmuck versehen, innen aber 
nur eine kleine genau für zwei Särge berechnete Kammer darbietend. 
Ob andere thurmartige mit kleinen Kammern versehene Denk- 
mäler bei Naksch-i-Rustam und bei Pasargadae, mit ihren äusserlich 
durch Lisenen verstärkten Kanten, mit den zahlreichen oblongen Ver- 
tiefungen an den Wandtlächen und verschieden grossen in ihren Rahmen 
dreifach abgestuften Fenstern lje sechs an jeder Seite) als Gräber zu 
betrachten seien, ist nicht völlig sicher; von den eigentlichen Volksgrä- 
bern und deren Formen aber wissen wir nichts, wenn wir nicht anneh- 
men wollen, dass die Perser auch einst wie jetzt ihre Leichen aus dem 
Gebirge nach den chaldäischen Nekropolen herabfühiten, wo Millionen 
von Gräbern erst noch ihrer wissenschaftlichen Sichtung harren. 
Nicht mehr als vom Privatgrabe ist vom Privathause bekannt, von 
welchem überhaupt aus dem ganzen Alterthum bis zum Beginn der 
römischen Kaiserzeit so wenig Reste sich erhalten haben, und welches 
in despotischen Ländern zumal, wo der Unterthan mit seinem Hause 
vor dem Glanze des Monarchen verschwinden sollte, am wenigsten er- 
haltungsfähig hergestellt sein konnte. Doch dürfen wir es uns vielleicht 
in einer aus dem Palastplan vereinfachten Form denken, wenn auch 
mit Weglassung der Terrassen, der Säulen und der Sculpturen, und 
unter Reduction der Räume auf das geringste Maass. 
Weit weniger Selbstständigkeit, wie in der Architektur, entfalteten 
die Perser in der Plastik. Hier zeigen sie sich ganz und gar als die 
schwach begabten Schüler der Assyrer, welche dadurch nur wenig ge- 
wannen, dass sie auch andere Einflüsse, ohne jedoch deren Wesen zu 
erfassen und zu einer wahren Fortbildung der assyrischen Kunsttradition 
zu nutzen, in sich aufnahmen. Waren die Assyrer in ihrer künstlerischen 
Entwickelung auf sich selbst angewiesen und deshalb ernstlich darauf 
bedacht, die Natur in ihrer Unmittelbarkeit als Hauptquelle ihren plasti- 
schen Schöpfungen zu Grunde zu legen, so begnügten sich die Perser, 
statt des eigenen jeden frischen und wirklichen Fortschritt belebenden 
Naturstudiums, bei der weit grösseren Ausdehnung ihres Reichshori- 
zontes gewisse Formen und Behandlungsweisen dem assyrischen Erbe 
aufzupfropfen, welche sie sowohl von den Aegyptern als auch, und zwar 
in noch höheren Grade, von der zu Darius' und Xerxes' Zeit schon in 
hoher Blüthe stehenden Plastik der kleinasiatischen Griechen erborgten.
        

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