Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1616538
II2 
Persien. 
wahrscheinlich die einzigen des ganzen äusseren Umfangs, haben sich 
erhalten, und gerade diese bezeichnen die Stelle der Umfriedigung: es 
sind die Portalbaue f] und Q, von Welchen der erstere sogar Spuren 
der Wandlinie zeigt und den Zugang von den Palästen K, L und O her 
bildet, während das Portal Q wahrscheinlich zu einem Vorhofe führte. 
der den Bewohnerinnen des Gebäudes nicht versagt sein konnte. Den- 
ken wir uns nun den Raum zwischen dem Hypostyl und der punktirt 
angedeuteten Aussenwand nach Art des Dariuspalastes in zahlreiche 
zellenartig aneinandergereihte kleinere Gemächer gegliedert, wie wir sie 
für 300 Frauen des Harems annehmen müssen, das niedrige und weite 
Hypostyl aber als eine Art von Conversationssaal für die gefangenen 
Frauen, dessen auffällige und jede Festbestimmung ausschliessende 
Niedrigkeit wie verdüsternde Säulenanhäufung für diesen Zweck nur 
heimlich und namentlich zur Absonderung der Unterhaltungs-Gruppen 
geeignet erscheint, dessen Dämmerlicht aber in den abendlichen Zu- 
sammenkünften durch die bunten Lampen des Orients verdrängt ward, 
so gewinnen wir für das Harem nicht blos eine dem Palastbau analoge 
Anlage, sondern diese auch in der gehörigen Ausdehnung wie an einer 
passenden Stelle; und damit gleichzeitig sowohl das für die orienta- 
lische Palastanlage Unentbehrliche, als auch eine für die Herstellung des 
Totalplanes entsprechende Ausfüllung eines grossen Theiles des sonst 
nicht erklärbaren Areals. 
Es scheint indess, dass die Gestalt der Terrasse selbst in Darius' 
Zeit eine etwas andere gewesen sei, wie unter seinem Nachfolger. Ob 
auch in Bezug auf ihre Ausdehnung liesse sich erst entscheiden, wenn 
festgestellt würde, in wie weit der gewachsene Boden des ihren Kern 
bildenden Felsenplateau's für den Unterbau benutzt ist, denn wenn die 
Nordwestseite gebaut oder aufgeschüttet befunden würde, dann dürfte 
man annehmen, dass ursprünglich nur etwa die Südhälfte hergestellt 
worden sei. Jedenfalls aber wurde der Aufgang erst beim glänzenden, 
möglicherweise schon in der letzten Regierungszeit des Darius begon- 
nenen Umbau des Ganzen durch Xeixes verändert, indem die Orienti- 
rung des Dariuspalastes mit seiner unter allen Bauten allein gegen Süd- 
ost gerichteten Fagade darauf hinweist, dass früherder Aufgang am 
Südende der Terrasse gewesen sei. Die ungemein solide Herstellung 
des Neubaues aber sicherte nicht blos die fast intacte Erhaltung der 
ebenso grossartigen und breiten wie bequemen Doppeltreppe mit ihren 
niedrigen, in gewaltige Blöcke gehauenen Stufen, welche noch jetzt den 
Zugang sogar zu Pferde erlauben, sondern selbst eines Theiles des Ter- 
rassenpavimentes aus ungeheuren, durch Schwalbenschutänze verklam- 
merten Steinplatten.
        

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