Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1616521
Architektur. 
Thorbauten  
Harem. 
III 
Wahrscheinlich waren solche Schenkelmauern auch an den Hauptpor- 
talen der assyrischen Paläste, weil sonst sämmtliche Zugänge, selbst zum 
Harem, allzusehr preisgegeben gewesen wären. Wie sich aber ihr Ver- 
schwinden an den ninivitischen Palästen durch das Weichen der Terrassen- 
ränder erklärt, so hat es in Persepolis, wo alle Wände fehlen, gerade in 
der naturgemässen Thür- und Fensterlosigkeit seinen Grund. 
Die Annahme ähnlicher Verbindungslinien auch an den beiden ande- 
ren Portalbauen der Palastterrasse  und Q) lässt aber nicht blos auch 
diesen ihre volle Bedeutung gewinnen, sondern wirft überdiess Licht 
auf einen bisher räthselhaften Bau von gewaltiger Ausdehnung WP), den 
man in Ermangelung eines besseren Namens als die Hundertsäulenhalle 
bezeichnet hat. Er besteht aus einem Weiten, nach sechs noch an ur- 
sprünglicher und bezeichnender Stelle erhaltenen Säulenfragmenten für 
hundert Säulen berechneten quadratischen Saale und einer nicht ganz 
so breiten und darum nicht dekastyl, wie das Innere, sondern oktastyl 
zu denkenden Vorhalle, von welcher ebenfalls zwei an ihrer ursprüng- 
lichen Stelle gebliebene Basen Dimensionen und Abstand anzeigen. 
Die Säulen selbst lassen sich nach den Basen ungefähr auf nur 7 lVI. Höhe 
berechnen, während die Halle nach ihrer in allen Portalen und Blenden 
vollkommen gegebenen Umfassung jederseits 68 M. mass. Nach ge- 
wöhnlicher Annahme war diese Anlage von jeher auf den Umfang be- 
schränkt, der durch die Ruine bezeichnet wird, und diente wieder als ein 
Luxussaal, nach Fergusson als ein Thronsaal: allein abgesehen da- 
von, dass die Halle des Xerxes durch ihre imposanten Verhältnisse 
einem solchen Zwecke weit besser entsprechen musste, als der niedrige 
und lediglich weite, aber wegen des Säulenwaldes fast durchsichtslose 
Raum, ferner dass doch nicht zwei so ausgedehnte Gebäude für den- 
selben Zweck angenommen werden können, müssen wir nothwendig 
auf der Terrasse noch nach einer jedenfalls sehr geräumigen Anlage 
suchen, die sowohl nach orientalischer Sitte, wie nach ausdrücklicher 
Ueberlieferung auf der persischen Königsburg nicht gefehlt haben kann, 
nemlich das Harem. Betrachten wir aber die Ruine im Vergleich mit 
den Palastanlagen, so wird sich sofort ergeben, das sie nichts anderes 
ist, als der Mittel-theil eines ähnlichen nur weit ausgedehnteren Gebäu- 
des, von welchem sich aber, wie auch z. B. an der Ruine O, nur Säu- 
lensaal und Vorhalle erhalten haben, während der ganze äussere Mauer- 
umfang verschwunden ist, ein Schicksal das ja alle Wände auf der - 
ganzen Terrasse betraf, gerade diese aber um so gründlicher als das 
Gebäude seiner Bestimmung nach nur wenige Zugänge und keine bis auf 
den Boden reichende Fenster haben durfte. Zwei Hauptzugänge jedoch,
        

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