Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1616505
Architektur. 
Palast und Thronsaal 
des Xerxes. 
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der rückseitige Saalbau, indem die Nebengemächer zur Rechten und 
Linken des Hypostyls durch ihre geräumigeren Verhältnisse denselben 
entbehrlich zu machen schienen. Die Vorhalle war hexastyl, mithin 
der proportionale Säulensaal sechsunddreissigsäulig; und selbst zwei der 
Seitenräume waren gross genug, um einer Unterstützung durch je vier 
Säulen zu bedürfen. Von noch weit grösseren Dimensionen und das 
Areal des Dariuspalastes um das Achtfache übertreffend war aber die 
Palasthalle des Xerxes (DEG) mit grossartiger Doppeltreppe an der 
Nordwestseite. Ohne jede Spur von Gemächer-n bestand diese nur aus 
einem gleichfalls sechsunddreissigsäuligen durch riesige Verhältnisse 
imposanten Hypostyl, an dessen drei Seiten  die vierte War vermuthlich 
durch eine gemeinschaftliche Rückwand abgeschlossen  sich hexastyle 
Vorhallen verlegten, welche das Ganze auch äusserlich, die todten 
Wandlinien maskirend, künstlerisch gliederten und reich belebten. Die 
Wände sind wieder bis auf unansehnliche Spuren der Portale  die 
freilich von Coste als Piedestalreste gedeutet worden sind, gänzlich ver- 
schwunden; doch wenn diess auch an einer ähnlichen Ruine zu Susa, 
welche der verdienstvolle W. K. Loftus untersuchte, ebenso der Fall 
ist, so darf doch kaum mit Coste angenommen werden, dass sie auch 
schon ursprünglich gefehlt haben, und dass die Säulenmasse des Mittel- 
raumes ganz unumschlossen, d. h. von den drei Portiken, welche sich 
unter besonderen Dächern ringsum gruppiiten, unzusammenhängend 
umstellt gewesen sei. Wenn wir aber hinsichtlich der Ergänzung der 
Wandlinie und des dadurch ermöglichten Zusammenschlusses des Gan- 
zen unter eine gemeinsame Bedachung Fergusson beipflichten, so er- 
"scheint uns doch dessen weitere Annahme unzulässig, dass auch dieses 
Gebäude, wie der Dariuspalast ein Obergeschoss gehabt habe, da es 
hiezu an allen Bedingungen, Aufgang u. s. w. fehlte. Die Ruine ist 
auch dadurch merkwürdig, dass sie die kolossalen Säulenreste in ver- 
hältnissmässig bester Erhaltung gibt, und zwar in den drei obenbe- 
schriebenen Arten, an der Westporticus mit Stier-, an der Ostporticus 
mit Löwencapitälen und im Uebrigen mit der aus drei, beziehungsweise 
vier Theilen cornbinirten Form der Säulenbekrönuilg. Was endlich die 
Bestimmung dieses Gebäudes betrifft, das seinen Verhältnissen wie 
seiner Ausdehnung nach zu den grössten der Welt gehört und bei einem 
Areal von 105000 Cl' das des Mailänder Domes nahezu erreicht, das des 
Cölner Domes aber um 2 3500 [V übertrifft, so kann kaum ein Zweifel 
sein, dass es unter Ausschliessung alles wohnlichen Zweckes als ein 
Audienz-, Fest- und Ceremoniensaal des prunkvollsten und eitelsten 
aller Könige erbaut und benutzt wurde, zu welchem Zwecke es auch 
passend zunächst an das Eingangsthor des Palastes gesetzt war.
        

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