Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1615140
Vorwort. 
VII 
sächliche Erscheinung vorweg behandelt werden müsste, um die Theorie zur 
Erklärung zu bringen, und manchmal umgekehrt, wodurch zahlreiche Wie- 
derholungen nöthig geworden wären. Der Verfasser sah sich daher ge- 
nöthigt, in dieser Beziehung häufig instinktiv zu verfahren, um die einzelnen 
Erörterungen je nach dem Gange der Darstellung an die richtige d. h. dem 
Verständnisse förderlichste Stelle zu bringen und um nicht zu der peinlichen 
Wahl gedrängt zu werden, entweder öfters in Räthseln, die irgend einmal 
später ihre Lösung finden sollten, sprechen, oder zu deren Erklärung aus 
dem pragmatisch-historischen Abschnitte vorweg nehmen zu müssen. Aus 
gleichen Gründen wollte er auch das Buch neben dem Vorworte nicht noch 
mit einer besonderen Einleitung belasten , welche entweder nutzlos oder un- 
verhältnissmässig umfänglich hätte werden müssen. Der Verfasser würde aber 
das System entschieden nicht geopfert haben, wenn es sich um ein Werk für 
Fachgenossen gehandelt hätte, denen zugemuthet werden darf, sich in Ge- 
duld neben den Autor an den Arbeitstisch zu setzen und mit ihm erst den 
Knoten zu lösen, wo die Fäden complicirter in einander laufen, oder den 
abgebrochenen Faden wieder zu suchen , aufzunehmen und neu zu knüpfen, 
da ja der Fachmann sich auch nicht damit begnügen kann und darf, das fer- 
tige glatte Gewebe sich ohne weitere Um- und Rückschau anzueignen. 
Nicht geringer waren die Bedenken hinsichtlich der historischen 
A nordnun g. Einer Geschichte ist die chronologische Reihenfolge selbst- 
verständlich; allein nicht blos in der Zeit entwickeln sich die Dinge, sondern 
ebenso im Raume. Der letztere hat im Alterthume theilweise sogar das Ueber- 
gewicht und wenn es in einer Kunstgeschichte des Mittelalters nicht blos mög- 
lich , sondern sogar angemessen erscheint, das Jahrhundert mehr zu berück- 
sichtigen, als das Local der Kunstthätigkeit, da die mittelalterliche Cultur 
mehr allgemein über die ganze civilisirte und zunächst christliche Welt sich 
erstreckt, so ist diess im Alterthum, wenigstens in dem früheren , keineswegs 
der Fall. Es konnte daher wohl keinem Zweifel unterliegen, dass die Cultur- 
völker einzeln behandelt werden mussten, auch wenn ihre Entwicklungs- 
perioden der Zeit nach in einander griffen , wobei der Zusammenhänge unter 
einander immer noch gedacht werden konnte. Eine schwer zu entscheidende 
Frage aber war, 0b bei Behandlung der einzelnen Völker das chronologische 
Element bis zu dem Grade durchgeführt werden sollte, dass in jeder Ent- 
wicklungsperiode die drei Künste neben- und miteinander in Betracht gezogen 
werden, wobei die Anfänge von Architektur, Plastik und Malerei, dann deren 
Aufschwung, der Höhepunkt und endlich der Verfall in zeitlichen Abschnitten 
zu verbinden gewesen wären. Ich kann nun nicht in Abrede stellen, dass 
diess der historisch correctere Weg gewesen Wäre, S0 Wie auch dass die Zu-
        

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