Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1616484
Architektur. 
Palast des Darius. 
Beleuchtung, 
Obergeschoss. 
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habe, wie diess die Geschichte der Architektur mehrfach aufweist, seinen 
Palast an seinem Felsengrabe copiren lassen, gleichsam um denselben 
auch noch nach seinem Tode bewohnen zu können, so kann wohl kaum 
das am Grabdenkmale deutlich erkennbare Obergeschoss lediglich als 
eine nur dort vorkommende bedeutungslose Decoration betrachtet Wer- 
den, besonders da auch das Haus des Darius zu Persepolis in seinem 
Plane auf eine ähnliche Gestaltung hinweist. Der sehr beschränkte 
Raum, wie ihn jetzt manches massige Familienhaus übertrifft, drängt 
dazu, eine Vermehrung desselben im Aufbau zu suchen, und einen sol- 
chen macht auch namentlich das Hypostyl wahrscheinlich, an dessen 
Stelle sonst ein Peristyl {Säulenhofj mit reichlichem Oberlicht viel zweck- 
entsprechender erscheinen musste; während selbst für die Treppen- 
anlage in einem der beiden schmalen Corridore neben den zwei Sälen 
sich eine ganz angemessene Localität findet. Doch war jedenfalls der 
Oberbau nicht so ausgedehnt wie das Erdgeschoss, sondern liess viel- 
mehr das Flache Dach der Gemächer ringsum vielleicht mit Vorrichtungen 
theilweiser Zeltüberspannting als luftige Veranda frei, wie diess noch 
jetzt das Talar, ein ähnlicher pavillonartiger Oberbau auf den modernen 
Häusern Persiens zeigt; die Wände desselben aber konnten kaum an- 
ders als auf die sonst unnöthig starken Wände des Hypostyls gesetzt 
sein, und nicht, wie die Nachbildung des Palastes am Grabdenkmal 
zeigt, auf die Intercolumnien oder vielmehr auf das Gebälk der Säulen, 
was structiv nicht blos verwerflich, sondern geradezu unmöglich gewesen 
wäre. Sonst mag das Aeussere dem des Obergeschosses am Grabmal 
ähnlich gewesen sein: die Eckpfeiler wenigstens, die aus einer seltsamen 
Combination von Toren und Hohlkehlen bestehend nach unten in Lö- 
wenpranken auslaufen, nach oben aber in einem einseitigen Löwencapitäl 
abschliessen, unerkennbar auf ein tektonisches Vorbild zurückge- 
hend, wie sich aus den mit Ausschluss der Capitäle ebenso gestalteten 
Beinen des Thronsessels lFig. 81) ergibt, sind durchaus denkbar, und 
S0 mögen auch die decketragenden Gestalten, welche in zwei Reihen 
die Fagadenwand am Königsgrabe schmücken, in Relief oder Malerei 
ausgeführt gewesen sein. Diese Auszierting aber wird um so wahr- 
scheinlicher, als sie sich auch in Portalreliefs wiederholt, wo dann die 
typischen Gestalten in der anschaulichsten Weise die verschiedenen Un- 
tcrthanenvölker, welche nebeneinandergereiht buchstäblich den Köl- 
nigsthron stützen, symbolisiren. Eingang und Beleuchtung sind wohl 
auf die der Facade entgegengesetzte Seite gelegt zu denken, wo der 
Raum am breitesten und iiberdiess auch der Treppenatifgang vom Erd- 
gcschosse her war, da sonst auf der Nachbildung der Fronte am Königs-
        

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