Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1616407
Architektur. 
Säulen. 
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senen Stiervordertheilen, Welche bei schön geschwungenem, mit einem 
reichen Halsbande geschmückten] Nacken den Kopf kräftig einziehen, 
die Vorderbeine aber wie in liegender Stellung einwärts knicken, um 
mit ihrem gemeinsamen Rücken wie mit den beiden Köpfen den Deck- 
balken als Auflager zu dienen. Gehört auch ihre stylistische Beschrei- 
bung in das Gebiet der Plastik, so darf doch schon vorausgeschickt 
werden, dass ihre Behandlung der assyrischen so ziemlich gleichartig 
ist. Das Capitäl ist sehr geschickt darauf angelegt, zwei in verschie- 
dener Richtung laufende Deckbalken aufzunehmen, die übereinander- 
gedoppelten untern Balken der Decke, welche ihre Schnittfläche an der  
F ronte zeigend nach innen liefen, auf dem gemeinschaftlichen Rücken, 
die Architravbalken dagegen, welche die Säulen miteinander verbanden 
und so in der F ronte nach ihrer Länge sichtbar waren, auf den Köpfen 
und auf den zwischen denselben eingezwängten Unterbalken. Es war 
sonach die Balkenlage im Vergleich mit den anderen Architekturen eine 
umgekehrte, indem sonst die nach innen laufenden Deckbalken erst 
über die Architrave gelegt zu werden pflegen. 
In Xerxes' Zeit scheinen jedoch diese einfachen Doppelstiercapitäle 
nicht mehr befriedigt zu haben. Es wurden daher diesen drei andere 
Glieder untergelegt, und dadurch die ganze Capitälbildung dem durch 
diese Neuerung selbstverständlich sehr verkürzten Schafte an Höhe fast 
gleich ivgl. Fig. 74). Die beiden unteren dieser neuen Glieder dürften 
vielleicht als eines zu betrachten sein, indem der abwärts hängende 
Blätterkranz als zu dem darüber befindlichen Kelche, dessen äusserste 
Blätter sich gesenkt, gehörig gedacht werden kann. Die abfallenden 
Blätter sind sehr einfach behandelt, bilden keinerlei Schwingung und 
enden halbkreisförmig. Ein sog. Eierstab, d. h. ein Kranz von kleinen 
ganz umgeschlagenen Blättern, über dessen bis jetzt nicht aus Assyrien 
erweisliche Herkunft die Vermuthung nahe liegt, dass er vielleicht auf 
einer Rückwirkung des seit Darius künstlerisch vollkommen ausgebilde- 
ten kleinasiatischen lonien, das bereits seit Cyrus Persien zinsbar und 
Somit wohlbekannt war, beruht, setzt sich zwischen beide Theile hinein; 
der aufwärts stehende Kelch aber leitet sowohl in seiner Gliederung und 
Gruppirtmg als auch in seiner Ausschmückung mit kleinen Lotosbündeln 
S0 deutlich auf ein ägyptisches Vorbild, dass wir ihn wohl der Einwir- 
kung des durch Cambyses ebenfalls Persien unterworfenen Nillandes 
Zuschreiben dürfen. Nach einer abermaligen Einschiebung eines ioni- 
schen Eierstabes folgt nun jenes eigenthümliche Capitälmittelglied, das in 
Seinen sechzehn Spiralpolsteril ebenso sehr an die assyrische wie an die 
ionische Capitälbilduilg erinnert, wenn auch diese buchstäblich auf den
        

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