Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1616371
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Persien. 
sind daher ebenso auf räumige Terrassen gesetzt, welche wie in Nimrud 
vermuthlich durch spätere Vergrösserung mehre Königswohnungen auf- 
zunehmen vermochten. Nur ist namentlich die Palastterrasse von Perse- 
polis nicht ganz frei aufgebaut, sondern mit Benutzung eines Felsen- 
plateaifs hergestellt, welches theils durch Abmeisselung, theils durch 
Ausfüllung geebnet erst durch eine senkrechte Verkleidung seines Randes 
architektonischen Charakter gewann, und erhebt sich ferner nicht frei 
aus der Ebene, wie diess in der assyrischen Alluvion nicht anders mög- 
lich war, sondern lehnt sich an einer Seite ihres oblongen und mehrfach 
ausgeschnittenen Körpers an eine gewaltige ebenfalls architektonisch 
zu Felsengräbern mit prächtigen Fagaden benutzte Felsenwand. Zeigte 
aber die Terrasse des Palastes Kisir-Sargon (Khorsabad) in seiner Rand- 
verkleidung schon ziemlich regelrechten Quaderbau, so finden wir zu 
Pasargadae bereits ein wenn auch noch unregelmässiges Bossagenwerk 
d. h. Quaderbau mit einer (hier rechteckig behandelten) Ausbauchung 
der Stirnseite jedes Steines, zu Persepolis dagegen an derselben Sub- 
structionsverkleidung eine Art von kyklopischem Mauerwerk mit Vor- 
herrschender Horizontale, ein Beweis, dass diese Art von Fügung auch 
hier keineswegs, wie wir diess auch in der Baugeschichte Griechenlands 
und Roms sehen, schon an sich höheres Alter beweist, als derQuaderbau. 
Trotz der grossen Verwandtschaft der persischen Architektur mit 
der assyrischen in manchen Dingen zeigen doch schon die Ruinen einen 
so gründlichen Unterschied, dass F ergussoifs nahezu absolute Identiüci- 
rung der Kunst beider Völker nicht gebilligt werden kann, und ein hoher 
Grad von selbstständiger Stellung wenigstens in der Architektur Per- 
sien gewahrt bleiben muss. Zeigten nemlich die assyrischen Ruinen allent- 
halben nur Wände und keine Säulen, so finden wir hier umgekehrt nur 
Säulen und keine Wand, welcher T hatsache gegenüber es jedenfalls als 
eine gewagte Behauptung erscheinen muss, dass sich hier nur das eine, 
dort nur das andere erhalten habe, und dass die persischen Ruinen 
gleichsam das Skelett, die assyrischen dagegen das Fleisch eines und 
desselben architektonischen Körpers bildeten, der naturgemäss nur durch 
die Verbindung und gegenseitige Ergänzung in seiner Totalität erkannt 
und verstanden werden könne. Wir hatten schon oben Veranlassung, 
die Uebertragung der persischen Säulen auf die assyrischen Paläste zu 
bekämpfen, und zwar zunächst auf Grundlage der Pläne jener niniviti- 
schen Ruinen, welche in den durchweg schmalen corridorartigen Räu- 
men nicht blos keine Spur solcher raumerweiternder Stützen, sondern 
auch kein Bedürfniss hiefür erkennen liessen, indem vielmehr gerade 
durch die Nichtanwendung derselben jene ungeschickte und unschöne
        

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