Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1616359
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Persien. 
den Umfang aller vorausgegangenen vorderasizttischen auszudehnen 
vermochte. Schon der geschichtlich erste persische Monarch, Cyrus, 
hatte nicht blos im Innern jeden Widerstand gebrochen und namentlich 
die Nebukadnezarstadt Babylon bezwungen, sondern seine auch gegen 
den keineswegs durch die Sage von seinem beispiellosen Reichthum  
allein bemerkenswerthen Lyderkönig Crösus siegreichen Waffen bis an 
das ägäische Meer getragen, so dass Asien, soweit es damals überhaupt 
in Europa gekannt war, mit Persien gleichbedeutend erscheinen mochte. 
Des Cyrus Nachfolger Cambyses hatte hierauf auch das älteste Scepter 
der Welt, das der Pharaonen, zertreten und schon der dritte persische 
König ging sogar über den Bosporus, um auch die östlichen Länder 
Europas, oder zunächst den Umkreis des Pontus (des schwarzen Meeresl 
dem persischen Reichskoloss einzuverleiben. 
War sonach Persien sowohl durch die persönliche Grösse einiger 
seiner Regenten und durch die gesunde Kraft seines Kernvolkes als 
auch durch den Erfolg in einer weltgeschichtlichen Stellung wie vorher 
kein Staat aufgetreten, so fehlte es dieser Weltrolle auch keineswegs an 
entsprechendem monumentalen Ausdruck. Die Hauptstadte des Landes, 
Susa, Pasargadae und Persepolis, für welche letztere durch hellenische 
Berichterstatter eingebürgerte griechische Bezeichnung wohl nNeu  
Pasargadae (die neue P6fSCfStZidt)u substituirt werden dürfte, suchten 
wenigstens in ihren Residenzen die assyrischen und babylonischen 
zu überbieten, und mussten, da z. B. Diodor Persepolis ndie in der 
ganzen Welt berühmte Königsburgu nennt, selbst Griechen imponiren. 
Die darüber hingegangenen Jahrtausende haben auch noch Spuren ge- 
nug zurückgelassen, um aus ihnen das Ganze im Geiste ergänzen und 
so eine Vorstellung von dem künstlerischen Vermögen der Perser ge- 
winnen zu lassen. Diess gilt freilich weniger von dem am gründlichsten 
zerstörten und noch keineswegs erschöpfend untersuchten Susa, dessen 
Lage durch den noch jetzt an der Ruinenstatte haftenden Namen Schusch 
und in ähnlicher NVeise, wie die Lage von Ninive in der muhammeda- 
nischen jonaskapelle (Nebby Junes) eine traditionelle Bestätigung fand, 
durch das von islamitischen Wallfahrern hochverehrte sog. Grab des 
Propheten Daniel bestimmt wird. Etwas mehr als Susa rechtfertigt es 
Pasargadae bei Murgab, neben dessen Palastterrasse unter andern Grab- 
mälern, Altären, u. s. w. eines der merkwürdigsten Denkmäler der Welt, 
das Grab des grossen Cyrus selbst baulich fast intact sich erhebt. Am 
meisten aber gilt es von Neupasargadae (Persepolis), dessen massenhafte 
unter den Namen Tschehel Minar (Vierzig Säulen) oder Takt- i -Dschem- 
schid iThron des Dschemschid; bekannte Palasttrümmer bei Istakr,
        

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