Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1616309
Assyrische Reliefplastik. 
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schien, Palmen, Reben, Feigen- und andere Fruchtbäume durch Nach- 
ahmung von Blatt oder Frucht im Einzelnen zu verständlicher Anschau- 
lichkeit gebracht. Auch die Gewässer von Meer, Fluss oder Sumpf sind 
mühsam in stark stylisirten spiralischen Wellen gezeichnet durch sorg- 
fältig detaillirten Schilf umsäumt oder durchzogen und von mannig- 
fachen für den Kenner deutlich unterscheidbaren Wasserthicren bevöl- 
kert. Die Begebenheiten selbst aber sind schlicht erzählt, wobei in 
naiver Weise untergeordnete Figuren klein und flüchtig ausgeführt sind, 
während die Hauptfiguren nicht blos diese, sondern auch Bäume und 
Festungen überragen. Da es dem Künstler nur darauf ankam, die Si- 
tuation verständlich zu machen, so nahm er auch keinen Anstand eine 
Stadt in Dimensionen herzustellen, dass die auf den Zinnen befindlichen 
Vertheidiger nicht entfernt wirklich durch ein Thor eintreten könnten, 
indem sie auf dem ebenen Boden stehend selbst die T hürme überragten. 
Die bei den ninivitischen Ausgrabungen aufgefundenen und jetzt 
im britischen Museum aufbewahrten Bronzenarbeiten vorzugsweise in 
Holzmobilienverkleidung lThronsesselj, Schalen und anderen Gefassen 
bestehend, wie auch die noch spärlicheren Reste von Elfenbeinschnitzerei 
verrathen den beschriebenen Typus nicht. Bei den letzteren finden wir 
wenigstens an den besser erhaltenen und darum deutlich kennbaren 
Resten offenbar ägyptischen Styl, ja selbst ägyptische Cultvorstellungen. 
Dasselbe ist auch an einigen Bronzen (10 Theile Kupfer 1 Theil Zinn) 
der Fall, während jedoch die Mehrzahl mehr aufgeweichte Typen, na- 
mentlich von Thiergestalten zeigen, ungefähr von der Art, wie wir sie 
an den ältesten griechischen Vasenbildern wiederfinden. Ich vermuthe, 
dass solche Geräthe als Importartikel zu betrachten seien, oder wenig- 
stens als Werke die solchen sclavisch nachgebildet sind, trage aber im 
ersteren Falle kein Bedenken. wenigstens für die Bronzearbeiten nicht 
Aegypten, sondern Phönikien als den Productionsort zu bezeichnen. 
Diess Küstenland war ebenso durch Geschirrfabrikation in der für Grie- 
chenland vorgeschichtlichen Zeit berühmt, was wiederholte Erwähnungen 
bei Homer und anderen beweisen, als auch, wie wir noch sehen werden, 
durch seine ausgedehnte Anwendung und Verarbeitung der Bronze, wo- 
rauf das Kupfer des phönikischen Cypern es hinwies, ausserdem haben 
die plastischen Funde Renans gezeigt, dass Phönikien in seiner Bildnerei 
Wenigstens zeitweise unter ägyptischem Einflüsse stand. Diese Um- 
Stände in Verbindung mit der bekannten Handelsthätigkeit der Phöni- 
kier machen die oben ausgesprochene Vermuthung bezüglich der Bron- 
zereste Ninive's mehr als wahrscheinlich. 
Die Malerei Assyriens liefert in ihren seltenen und unansehnlichen
        

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