Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1616215
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Chaldiia, 
Bahyl 
mien und Assyrien. 
zontalen Abtheilungen abwechselnd seilartig gedrehte Stränge und 
Löckchenreihen zeigt, wie auch der Schnurbart seine linden in stark 
markirte Spiralen rollt. Die grossen, entwas schräg aufwärts gestellten 
Augen sind ausdruckslos, weil zu wenig tief liegend, und wertlen durch 
die derbe striemenartige Umfassung nicht sonderlich gehoben, während 
die wulstigen an der Nasenwurzel zusammenstossenden und stark auf- 
wärts gebogenen Brauen durch die läeeintrachtigung der Stirne dem 
Gesichte einen düster thierischen Ausdruck geben. Die stark gebogene 
semitische Nase ist breit und fleischig, wie das ganze Gesicht, welches 
Anlage zur Fettbilduilg, doch ohne Aufgedunsenheit verriith. Das wohl- 
gebildete Ohr sitzt etwas niedriger als an ägyptischen läildwerken und ist 
mit Ohrgehängen geschmückt. Der breite Heischige aber kurze Hals 
verschwindet an der Rückseite gänzlich unter der Lockenfülle, die run- 
den Schultern lassen den Rücken breiter als die Brust erscheinen, fallen 
aber naturgemässer ab, wie an ägyptischen Sculpturen. Ein langes 
mehrfach befranstes Priestergewand, das selbst einen von den Heischigen 
Armen bis auf die Hand einhüllt, fallt, um den keineswegs schlanken 
Leib durch einen tauartigen Gürtel geschürzt, ohne alle lfziltenbildung 
und Modellirung an der unteren Körpcrhiilfte bis auf den Boden, so dass 
von den Füssen nur die Zehen sichtbar werden. Die rechte Hand halt ein 
lituusartiges, wohl auf den Cult bezügliches Instrument, die Linke den 
heiligen Stab. Wie die Arme so zeigen auch die Hände breite Museu- 
latur und stumpfes Profil bei sehr kurzen Verhältnissen, die indess am 
ganzen Körper sich aufdrängen, wenn auch im Allgemeinen ausser der 
Schmalheit der Gestalt in der von dem Künstler, der nur im Relief geübt 
war, fast ganz unberücksichtigt gebliebenen Seitenansicht Wenig geg_'en 
die Naturrichtigkeit verstösst. Eine auf der Brust angebrachte Inschrift 
bezeichnet die Gestalt als den König Aschurakbal ilirbauei" des Nord- 
westpalastes wie des sog. Tempels von Nimrud) vden Eroberer vom 
oberen Lande des Tigris bis zum Libanon und dem grossen Meere, der 
alle Länder vom Aufgange der Sonne bis zum Untergange derselben 
unter seine Gewalt gebrachtai 
Eine eigenthümliche Uebergangsstellung ZWlSClICH Rund- und Re- 
liefplastik nehmen die oben erwähnten Monstra (vgl. Fig. o2. 63) ein, 
welche als heilige Thürhüter alle grösseren Portale fiankiren: meist ge- 
flügelte Stiere, seltener Löwen mit Menschenköpfen. Im Inneren der 
Durchgänge erscheinen sie im reinen Relief durchgeführt bis auf die thierm 
Ollflgflll Häupter, welche mit der königlichen oder göttlichen Tiara ge-V 
schmückt über die Platte emporrageil und fast völlig rund gearbeitet 
sind, in der Vorderansicht aber, abgesehen von dem Kopfe, auch in der
        

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