Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1616021
Palast von Kisir-Sargon (Korsabad). 
liehen Hof zerlegte. Dieser Flügelbau scheint der prächtigste des Gan- 
zen gewesen zu sein und ist daher wohl als der Repräsentationstheil 
des Palastes zu bezeichnen. Waren alle Wände des Serailbaues in 
ihrem unteren Theile mit sculpirtem Alabaster bedeckt, so erscheint 
hier dieser Schmuck am glänzendsten. Besonders im ersten nordöst- 
lichen Saale, den man als den Audienzsaal bezeichnen könnte, sind die 
35:10 M. in Länge und Breite messenden Wände mit fortlaufenden 
Scenen geschmückt, welche Huldigungen und Aufführung wie Bestra- 
fung von, Gefangenen darstellen, während in den übrigen Sälen wie im 
Zwischenhofe die Reliefs, durch einen Keilinschriftstreifen in zwei Hälf- 
ten getheilt, bedeutend an Dimensionen und künstlerischer Bedeutung, 
wenn auch nicht an sachlichem Interesse verlieren, indem sie gerade hier 
mit umfanglichen Inschriften verbunden einen förmlich chronikenartigen 
Charakter annehmen. 
Durchschritt man diesen Saalbau so gelangte man zur geräumigen 
westlichen Terrassenecke, die durch deutliche Tempelrestc (N) die 
Bezeichnung Tcmpelhof rechtfertigen 
dürfte. Die Gestalt des Tempels oder der    
Palastkapelle selbst ist aus den zu diirf-    
tigen Resten nicht zu reeonstruiren, für     
die Veranschaulichung der assyriSChCn  l i;   
Tempelformen im Allgemeinen aber wer-   
den unten andere Hülfsmittel beigezogen    
werden. Doch ist die aus ungebrannten 1'714 43' Geslfljj  
Ziegeln massiv hergestellte niedrige Tem- 
pelterrassc noch grossentheils erhalten nebst Stücken der Bekleidung 
aus schwarzem Basalt mit einer Bekrönung aus grauem Kalkstein, die 
durch Rundstab und Hohlkehle an die Gesimsform der ägyptischen Ar- 
chitektur erinnert (Fig. 43). Auch die im Schutt gefundenen Beklei- 
dungs-Reliefs der NVände weichen dadurch von den übrigen ab, dass 
sie gleichfalls in schwarzem Basalt hergestellt sind, und somit auf ein 
dunkles und farbloses Aussehen des ganzen Tempels im Gegensatz zu 
dem farbenstrahlenden Palaste schliessen lassen. Bemerkenswerth ist 
noch eine kleine Terrassenpyramide  etwa 40 M. im Gevierte mes- 
Send, von welcher noch vier Stufen in weisser, schwarzer, gelbrother 
und blauer Emailziegelverkleidung erhalten sind, die der Borsippapyra- 
mide analog auf noch drei weitere Stufen in rother, silber- und gold- 
farbiger Bekleidung schliesen lassen. Die Platform, welche nur wenig über 
I0 M. im Gevierte gemessen haben kann, enthielt entweder nur einen 
Altar oder eine kleine Cella von etwa 6 M. Tiefe. Der Aufgang zu der
        

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