Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623717
Albrecht Dürer. 
links ein Fels von scharfen aber natürlichen Formen, dessen kümmer- 
liche Vegetation mit sehr feiner Beobachtung wiedergegeben ist. 
Rechts verbindet ein ansteigender Bergpfad Vorder- und Mittelgrund. 
Die beiden seitlichen Coulissen umrahmen den Ausblick auf die Hügel- 
kette des Hintergrundes, deren ruhige Konturen links von einer 
Burgarchitektur unterbrochen werden. Der Kavalier, welcher auf dem 
die Mitte des Blattes einnehmenden Wege in das Thal des Mittel- 
grundes hinabsprengt, streckt jauchzend seine Rechte empor, als 
bräche er in einen Jubelruf aus über das heitere Bild, das vor 
seinen Blicken sich aufrollt. Wir dürfen diese Gestalt mit Recht 
als Staffage bezeichnen, da ihre Haltung das Auge des Beschauers 
auf die Reize der landschaftlichen Komposition lenkt. Technisch 
bietet die anspruchslose Federzeichnung kaum etwas Neues; der 
Vordergrund ist eingehender behandelt als Mittel- und Hintergrund, 
nach dem bereits dem Zeichner der Schedelschen Chronik bekannten 
Princip, auf diese Art die der zeichnerischen Technik versagten 
Reize der Luftperspektive wenigstens anzudeuten. Auch die Ge- 
schlossenheit der Gesamtkomposition überrascht nicht gerade bei 
einem oberdeutschen Meister. Was dem unscheinbaren Blatte seine 
Bedeutung für unsere Untersuchung verleiht und uns berechtigt, es 
gewissermafsen als Motto an die Spitze der landschaftlichen Ver- 
suche Dürers zu stellen, ist der,Umstand, dal's wir hier an einer 
ohne jeden Nebenzweck entworfenen Skizze aus der Jugendzeit 
des Meisters seinen liebevollen Blick für die Reize landschaftlicher 
Schönheit bereits kennen lernen. 
Die Handzeichnungen bieten überhaupt für unsern Zweck das 
reichste und wertvollste Material. Die Mehrzahl der landschaftlichen 
Studien Dürers ist undatiert; gleichwohl ist die Forschung darüber 
einig, sie seiner jugendperiode zuzuschreiben, da äufsere und innere 
Gründe eine solche frühe Entstehungszeit wahrscheinlich machen. 
Viele Veduten verdanken den Wanderfahrten des jugendlichen 
Künstlers ihren Ursprung; überdies ist es schon psychologisch er- 
klärlich, dafs landschaftliche Reize auf eine jugendfrische, Natur- 
eindrücken unbefangen gegenüberstehende Phantasie unmittelbarer 
wirken, als auf den gereiften, zur Reflexion geneigten Mann, den
        

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