Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623684
Albrecht 
Dürer. 
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sicht von Venedig (fol. 2) ist ohne festen Augenpunkt aufgenommen, 
verrät aber deutlich die Kenntnis der einzelnen Bauten der Lagunen- 
stadt. Die Berglinien des Hintergrundes sind nicht unlebendig, ja, 
man könnte vermuten, der Künstler habe durch die phantastischen 
Formationen links die Konturen der Euganeen andeuten wollen. 
Die Wolkenbildung ist bereits reich entwickelt, der Baumschlag 
dagegen noch primitiv. Auf dem vierten Holzschnitt (Modon auf 
Corfu) sehen wir einen mit realistischer Staffage belebten Hafenplatz. 
Schiffe werden gebaut, beladen, Pilger, Fischer, Kaufleute mit 
Saumtieren tummeln sich am Ufer. Ähnliche Staffage finden wir 
auch auf dem folgenden Bild, das Candia darstellt und auf der 
Ansicht von Rhodos. Bei alledem erkennt man, dafs dem Illustra- 
tor an nichts weniger gelegen war, als an einer landschaftlich ab- 
geschlossenen Komposition, wie am deutlichsten die rohe land- 
kartenartige Ansicht von Jerusalem beweist. Deutlichkeit war ihm 
die Hauptsache und, wenn er seine Skizzen, wie anzunehmen, wirk- 
lich auf der Reise machte, so lag ihm doch vor allem daran, die 
einzelnen wichtigsten Gebäude und Merkwürdigkeiten in aller Breite 
darzustellen, ohne für die landschaftlichen Reize der Gegend sonder- 
liches Interesse zu zeigen. Und dieses Urteil trifft im wesentlichen 
auch die Holzschnitte der Weltchronik Hartmann Schedels. Land- 
schaftlich interessant sind eigentlich nur die ersten Darstellungen 
der Schöpfungsgeschichte, bei denen insofern allerdings ein Fortschritt 
gegen die ältere Technik zu bemerken ist, als an die Stelle der 
früheren Konturzeichnung eine kräftig modellierende und mehr male- 
rische Behandlung, namentlich der Felsen tritt. Auch die Baumformen 
sind besser verstanden als in früheren Werken (vgl. besonders den 
dürren Baum auf fol. 4 verso und die an Schongauers Palmen er- 
innernden ausländischen Bäume fol. 4 verso). Aber eine Verfeinerung 
des landschaftlichen Gefühls kann man darum doch nicht in diesen 
derben Arbeiten wahrnehmen. Vollends bedenklich aber erscheint 
es, mit Thausing die Städtebilder der Schedelschen Chronik als die 
Anfange einer selbständigen Landschaftsmalerei zu bezeichnen. Die 
landschaftlichen Beigaben der verschiedenen Prospekte sind überaus 
dürftig und beschränken sich auf einige Felsen und wenige Bäume. 
Die Städteansichten selbst aber verraten wahrlich nichts von der
        

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