Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623562
Der 
XV. Jahrhunderts. 
deutsche und niederländische Kupferstich des 
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In diesem "Walde" soll Samson mit dem Löwen ringend dargestellt 
werden, in der That aber scheint seine Gestalt in der Luft vor dem 
Walde zu schweben, dessen Bäume ungefähr die Höhe seiner Hand- 
spanne haben. Es ist unglaublich, wie ein Künstler, der im Figür- 
lichen den Ansprüchen seiner Zeit durchaus gerecht wird, in der 
landschaftlichen Darstellung seinem Publikum derartige Monstrosi- 
täten zumuten durfte. Erklärlich erscheint dieser Widerspruch nur 
dadurch, dafs die in der Goldschmiedekunst geschulten Kupfer- 
stecher dieser Zeit für die Darstellung des Figürlichen eine Vor- 
bildung besafsen, Welche ihnen für die Landschaft durchaus fehlte. 
Gleichwohl überrascht eine solche Naivität bei einem Stecher, 
welcher wahrscheinlich Italien gekannt hat, wie man von dem 
maitre aux banderolles aus Reminiscenzen an südliche Vegetati0ns- 
formen in einem Stich (Passav. I5) geschlossen hat. 
Zwei charakteristische landschaftliche Typen finden wir bereits 
in diesen rohen Versuchen, die in den Landschaften des deutschen 
Kupferstichs und Holzschnittes noch lange ihre Rolle spielen: die 
phantastisch zersplitterte Felsforrn und den dürren vielverästelten 
Baum. Der Kupferstecher benutzte augenscheinlich diese beiden 
zeichnerisch sehr ergiebigen Motive, um das seinen Landschaften 
fehlende Farbenleben einigermafsen durch solche Linienspiele zu 
ersetzen. Immer wieder kehrt der dürre Baum auch in Darstel- 
lungen wieder, in denen er durchaus nicht motiviert erscheint, und 
noch Dürer kann sich dieses alten Requisits für seine Landschaften 
nicht entschlagen. 
Höher stehen bereits die stecherischen Leistungen des Mei- 
sters E. S., an dessen westdeutschem Ursprung man trotz neuerer 
Vermutungen wird festhalten müssen, und dessen Wirken man 
durch die Jahre 1458-1470 begrenzen darf. Eine Kenntnis der 
Werke Rogers van der Weyden ist entschieden bei diesem Künst- 
ler vorauszusetzen, da er dessen Middelburger Altarwerk die Kom- 
position der tiburtinischen Sibylle (B. 8)  charakteristischer Weise 
mit vereinfachter Landschaft  entlehnte. Neben vielen unbe- 
cleutenden, im Landschaftlichen archaisch steifen Kupferstichen des 
Meisters E. S. stehen einzelne Blätter, welche bereits ein ent- 
wickeltes Raumgefühl und Sinn für landschaftliche Komposition 
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