Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623549
Kölnische Sghule. 
xv. jhdts. 
Der deutsche und niederländische Kupferstich d. 
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sei die Glorifikation Mariae (Köln, Mus. 182) wegen ihrer 
von Scheiblerl) mit Unrecht geringschätzig beurteilten landschaft- 
lichen Komposition hervorgehoben: den Vordergrund nehmen dunkel- 
grüne Wiesen ein, in der Mitte öffnet sich zwischen kühnen Felsen 
der Blick in eine liebevoll ausgeführte Thallandschaft mit waldigen 
Flufsufern und einer Stadt. Auch die Luftperspektive hat der 
Künstler bereits ziemlich gut wiedergegeben, wie auch der Meiste r 
des h. Severin, namentlich in seinen späteren Werken einen 
feinen Luftton für die Ferne zu verwenden weifs. 
Die anderen niederrheinischen Schulen am Ende des XV. jahr- 
hunderts haben die fiandrischen Einflüsse noch weniger verarbeitet, 
als die kölnische. So zeigt eine Kreuzigung der Soester Schule 
(ca. I470-[500) in der Berliner Galerie (N0. 1222) bei einer ge- 
wissen Vorliebe für landschaftliches Detail noch völlig verständnis- 
lose Anordnung. Den Vordergrund füllt die lebhaft bewegte Hand- 
lung; auf einem phantastisch überhangenden F elsgipfel des Mittel- 
grundes Architektur; ein Flufs kommt aus den in ruhigen Linien 
den Horizont abschließenden blaugrünen Bergen und ist im Vorder- 
grunde durchiEnten und Fische in naiver Weise belebt. Einzel- 
heiten, wie diese, oder beispielsweise die WElgCIlSpLlf auf dem ge- 
schlängelten Wege des Mittelgrundes, sind sauber und gewissenhaft, 
aber von einem ordnenden Blick für das Gesamtbild der Landschaft 
ist nichts wahrzunehmen. Nüchtern im einzelnen, regellos in der 
Anordnung sehen wir hier niederländische Motive verwertet. Und 
dieses Urteil trifft mit wenigen Ausnahmen die meisten nieder- 
deutschen Nachtreter der Handrischen Meister. wDie Aufgabe, nach 
einem fremden Muster die eigne Weise umzuwandeln und dennoch 
Einheit und Harmonie zu wahren, blieb für sie zu schwierigzia 
Der deutsche und niederländische Kupferstich des XV. Jahrhunderts. 
Durfte man bei den niederrheinischen Schulen auf einen direk- 
ten Verkehr 
der 
deutschen Künstler 
in niederländischen Werkstätten 
schliefsen, so können wir den Weg, auf dem niederländische Ein- 
Hüsse auch in die oberrheinischen und oberdeutschen Schulen ge- 
I) a. a. O. p. 44. 
2) Crowe u. Cav. ed. Springer p. 401. 
Kaemmerer, Die Landschaft in der deutschen Kunst.
        

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