Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623519
Rückblick. 
bildet, oft durch kleinliche Ausführlichkeit bei selten überwundenem 
Mifsverhältnis zur Gesamtkomposition störtr). Im Detail der V ege- 
tation namentlich zeigen sich die Flandrer durchaus als Miniatur- 
maler, und von einer breiteren malerischen Behandlung der Vege- 
tationsmassen ist nicht die Rede, ebensowenig, wie von einer Cha- 
rakterisierung der Landschaft durch sommerliche oder herbstliche 
Laubfarbung. Die Reize der vegetationslosen Winterlandschaft sind 
den Tafelmalern dieser Periode noch so gut wie unbekannte), Die 
gleichmäfsige Frühlingsstimmung der Landschaften ist kaum beab- 
sichtigt, liegt vielmehr in der dem flandrischen Meister geläufigen 
Farbenskala und der eintönigen scharfen Beleuchtung. Für die Dar- 
stellung der Luft und ihrer den Charakter der Landschaft bestim- 
menden Erscheinungen sind hauptsächlich die Maler holländischer 
Abkunft befähigt, obwohl es auch keinem der andern Künstler 
an Kenntnis der Luftperspektive völlig fehlt. 
Fafst man den Gesamteindruck zusammen, welchen ein alt- 
niederländischer Landschaftshintergrund auf das moderne Auge aus- 
übt, so dürfte das Befremdende, das kein unbefangen Urteilender 
diesem Eindruck absprechen kann, hauptsächlich in dem Fehlen 
malerischer Einheitlichkeit und Abgeschlossenheit, was wir Modernen 
landschaftliche Stimmung nennen, zu suchen sein. Es bleibt ein 
Rest von Konstruiertem, Schematischem, welches unserm Gefühl 
persönlicher Naturauffassung in der Malerei durchaus Widerspricht. 
Mag der Künstler des XV. Jahrhunderts auch der Natur mit ähn- 
lich sentimentalem Gefühl gegenüber gestanden haben  es finden 
sich Spuren solcher Sentimentalität in der Litteratur der Mystiker 
bereits im XIV. Jahrhunderta) ä, so fehlte ihm doch die Fähig- 
keit, solche Gefühle im Kunstwerk zum Ausdruck zu bringen. 
1) Riehl, Kulturstudicn aus drei Jahrhunderten p. 68, drückt dies drastisch so 
aus: vDie landschaftliche Scenerie van Eycks und seiner Schüler ist nicht selten ge- 
malt, als ob der Künstler die Hintergründe durch ein Perspektiv und den Vorder- 
grund unter einem Vergröfserungsglas beobachtet hättfhe 
2) Eine Ausnahme bildet Gerard Davids Altarwerk zu Evora in Portugal, auf 
dem vkahle YVinteransichtenw vorkommen. cf. Iusti, Ztschr. f. b. K. 1886 p. 136. 
3) Für Italien vgl. Burckhardt, Kultur der Ren. i. Italien II, Kap. X, 3: Die 
Entdeckung der landschaftlichen Schönheit.
        

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