Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623500
Rückblick. 
tektur meist einen so breiten Raum für sich in Anspruch, dafs der 
Vorgang als eine Innenscene mit Ausblick in die Ferne aufgefafst 
werden mufs. iDie Ruine als landschaftliches Vordergrundmotiv 
(z. B. bei der Geburt Christi) ist im eigentlich malerischen Sinne 
noch nicht verwendet. Vielmehr dient sie meist nur zur Um- 
rahmung der Figurenkomposition und erscheint mit dem land- 
schaftlichen Ganzen noch nicht in engerem Zusammenhang, wie 
denn auch das Verhältnis der Gestalten zu der landschaftlichen 
Umgebung des Vordergrundes sich erst allmählich ausgleicht. 
Den Mittelgrund legt der altllandrische Meister mit Vorliebe 
tief und belebt ihn durch Architektur, Waldung, seltener durch Ge- 
wässer und seitlich vertretende Bergmassen. Die Stadtarchitektur 
ist meist Phantasieschöpfung, aber aus realistischen Motiven zusam- 
mengesetzt. Seltener begegnen wir Dorf bauten, Windmühlen auf 
Ackerfeldern u. a. Felsburgen und Burgarchitektur überhaupt sind 
dem niederländischen Künstler wenig geläufig. Im Mittelgrunde 
entfaltet sich meist ein reiches Leben, für episodische Schilderungen 
und Staffage ist hier der eigentliche Raum. 
Das im ganzen wenig bewegte Terrain des Mittelplanes schliefst 
dann eine blaue Bergkette ab, seltener und erst in späterer Zeit 
bildet eine WVasserfläche den Horizont. Die Formen der Berge und 
Felsen zeigen in der altilandrischen Schule selten phantastische 
Konturen, vielmehr überwiegt auch hier, wie in der ganzen land- 
schaftlichen Komposition, die ruhige Horizontale. Die Gründe bauen 
sich übereinander I) auf, sind nicht ineinander geschoben, so dafs 
eine diagonale Trennungslinie entstehen würde, wie in der späteren 
Landschaftskomposition. 
Soweit ist der Charakter der altniederländischen Landschaft 
von der nach künstlerischen Gesichtspunkten stilisierten Terrain- 
gestaltung bedingt, während die Vegetation meist naturalistisch ge- 
1) Die Grundfläche in richtiger Verjüngung mit Hilfe des Augen- und Distanz- 
punktes zu entwerfen, haben erst die oberitalienischen Theoretiker gelehrt. Die 
empirischen Versuche der Niederländer auf dem Gebiet der Perspektive sind 
sehr ungleich. Erst 1549 erschien in Ahtwerpen Peter Koeks van Aelsf: nDC 
pictura et perspectivaa, eine erweiterte Übersetzung von Serlios Regole generali d'ar- 
chitectura. 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.