Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623423
Die Brabanter 
Schule. 
Fernblick in die Landschaft zu öffnen: jetzt standen die Gestalten 
in der Landschaft, nicht mehr vor derselben, die Gruppen mufsten 
teilweise mit Rücksicht auf die Landschaft komponiert werden. Da- 
mit war den Versuchen eines Patenier und Herri met de Bles, die 
Landschaft zum Hauptgegenstande der Schilderung zu machen, der 
Weg gebahnt. Die Vorliebe, die Gründe durch Genrestaffage zu 
beleben, verleugnet Memling auf keinem seiner Bilder. Das Wasser 
belebt er mit Booten und Schwänen, Eseltreiber und Reiter, Bauern, 
die mit ihrem Korbe zur Stadt ziehen, begegnen uns besonders oft 
in seinen Landschaften. Auch an Tieren und idyllischen Gruppen 
fehlt es nicht; _in dieser Beziehung mag namentlich auf das Paler- 
mitaner Triptychon hingewiesen sein I). 
Auch der Katharinenaltar des Johanneshofpitals in Brügge 
mufs unter den Werken genannt werden, welche die Befähigung 
Memlings für die landschaftliche Darstellung bezeugen. Nur die 
konsequente und kräftige Lichtführung vermissen wir hier, wie in 
fast allen seinen Darstellungen. Dieser Mangel, welcher den meisten 
altilandrischen Landschaftsdarstellungen anhaftet, erklärt sich daraus, 
dafs die Meister ihre Hintergründe im Atelierlicht komponierten, 
ohne doch jemals die Naturumgebung als ein gegebenes Ganze 
studiert zu haben. Aus Einzelheiten, die sie in der Natur sorg- 
fältig beobachtet hatten, stellen sie ihre Ideallandschaften zu- 
sammen. Das Interesse und Verständnis für die atmosphärischen 
Erscheinungen aber beginnt erst mit der Vedute, und die älteren 
Versuche, Nachtstücke und Ähnliches darzustellen, wie z. B. in der 
Geburt Christi auf dem Triptychon Memlings im johanneshofpital 
(Crowe u. Cav. ed. Springer p. 3,0l), tragen einen durchaus kon- 
ventionellen Charakter. Erst Gerard David verstand es, solchen 
Aufgaben einigermafsen gerecht zu werden. 
Ein besonderer Anlafs zur Vedutenzeichnung lag für den altflan- 
drischen Künstler in dem Auftrage des Stifters, in dem Hintergrund des 
sein Porträt enthaltenden Flügelbildes sein Landhaus oder seine Stadt- 
Wohnung anzubringen. Wir glauben solche Veduten u. a. bei Mem- 
ling in der Madonna Duchatel und dem von Willem Moreel gestifteten 
328, 
Crowe
        

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