Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623415
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Die Brabanter 
Schule. 
licher anwendet, noch nicht beherrscht. Mag es daran liegen, dafs die 
meisten Vorgänge der Passion, die Memling hier auf einem gemein- 
samen Terrain neben- und übereinander darstellt, innerhalb einer 
Architektur sich abspielen, oder fehlte dem Künstler noch der Über- 
blick über seine Aufgabe,  kurz: es drängt sich im Mittelgrunde 
des Bildes ein wüstes Chaos von Bauten und Gestalten zusammen, 
und von einer irgendwie klaren Centralisierung der Gruppen, wie 
sie im Münchener Bilde angestrebt wird, ist hier keine Rede. Wie- 
weit die Farbengebung dem wüsten Durcheinander Haltung ver- 
leiht, ist auf der photographischen Reproduktion, die allein diesem 
Urteil zu Grunde liegt, nicht zu erkennen. In dem münchener 
Bilde (Kat. Nr. 116) gliedert Memling die Komposition bereits 
im Vordergrunde durch drei kräftig betonte Cäsuren. Die Mitte 
hebt er auch im Mittelgrunde durch eine reiche, von einer Turm- 
anlage überragte Stadtarchitektur hervor, während zu beiden Seiten 
sich Wege durch die Gefilde des Mittelgrundes zu dem fernen 
Hintergründe hinschlängeln, welchen Berge, Hügel und Seen ab- 
schliefsen. Trotz der mangelhaften Luft- und Linienperspektive ge- 
winnt so die weitläufige Komposition Einheitlichkeit, und das Auge 
folgt den einzelnen in die Landschaft eingestreuten episodischen Schil- 
derungen wider Triumphe Christiw) mit Vergnügen, ohne doch den 
Gesamteindruck zu verwirren. Es mufs freilich zugestanden werden, 
dafs dieser Eindruck auf Kosten der Natürlichkeit und freien Un- 
befangenheit der Komposition erreicht wird. So hat der Aufbau 
der drei Architekturen im Vordergrunde und die Stadt Jerusalem 
im Mittelgrunde etwas Gezwungenes, und die den Vordergrund ab- 
schliefsenden Felsen haben nur den Zweck, diesen vom Mittel- 
 grunde zu trennen, ohne doch landschaftlich motiviert zu sein. Gleich- 
wohl verdient der Versuch Memlings, die landschaftliche Komposi- 
tion zum Rahmen der verschiedenen Figurenkompositionen zu ge- 
stalten, schon deshalb unsere Aufmerksamkeit, weil damit zum 
erstenmal das Gröfsenverhältnis der Gestalten zur Landschaft ver- 
ändert wird. Die meisten älteren Meister hatten sich begnügt, hin- 
ter der im grofsen Mafsstabe gehaltenen Figurenkomposition einen 
1) Michiels, 
Memling. 
Verviers 
1881.
        

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