Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623379
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Die 
Schule. 
Handrische 
esse der Zeit an solchen Weltpanoramen. Das Auge öffnete sich 
für die Schönheiten der Natur, und der Wunsch, sie ganz zu um- 
fassen, sie ganz in sich aufzunehmen, bricht überall durch. vDas 
Verständnis der Natur war neu, man wollte sie mit vollen Zügen 
geniefsen, sich ihres ganzen Reichtums bewufst werden. Kein Bild 
daher, in dem nicht die ganze Fülle der Dinge wenigstens reprä- 
sentiert war. Dazu gehörte aber entweder ein gewaltiger Raum 
oder die kleine Dimension, und diese erhielt natürlich den Vorzug, 
nicht blofs weil sie handlicher, leichter zu erlangen und herzustellen 
war, sondern auch, weil sie die Übersicht und somit das behag- 
liche Gefühl des Vertrautseins mit dieser reichen Welt erleichterter I). 
In der That macht es den Eindruck, als habe der Meister sich 
gerade bei dem winzigsten Mafsstabe vorzüglich um die Darstellung 
des Landschaftlichen bemüht. Die Hintergründe der Madonna in 
Burleigh-house (Crowe u. Cav. p. 103) und der Rothschildmadonna 
(ebda. p. II4) scheinen das zu bestätigen. Auf der Grenze zwischen 
Miniatur- und Tafelbild steht auch die unvollendete h. Barbara im 
Museum zu Antwerpen. Der Turm, vor dem die Heilige sitzt, 
bildet den Mittelpunkt der Komposition, die an Staffage reiche 
Ebene des Mittelgrundes zeigt keinen vegetativen Schmuck, während 
die leise ansteigenden Hügelketten des Hintergrundes durch Baum- 
triften und reiche Architektur mannigfach belebt sind. Nur der 
Himmel ist in Farben leicht angelegt, und man erkennt an der 
Eintönigkeit der perspektivisch unrichtigen Linien so recht, wie 
sehr der Eindruck der Landschaften der van Eycks von ihrer kolo- 
ristischen Haltung bedingt ist. Und diese ist sicherlich eine der 
Haupterrungenschaften Jans, der seiner Zeit und Schule darin weit 
voransteht. Damit ist aber auch die Verwandlung der Terrain- 
schilderung in eine bis zu gewissem Grade selbständige landschaft- 
liche Komposition des Bildhintergrundes vollzogen. Im besonderen 
charakterisiert die eyckische Landschaft die schon geschilderte Vor- 
liebe für weite Fernblicke mit Staffage und Architektur, die über- 
aus sorgfältige Ausführung der Details, das Fehlen prägnanter 
Vordergrundmotive und der Mangel einer sicheren Linien- und Luft- 
Schnaase, 
161.
        

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