Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623353
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Die flandrische Schule. 
mehr nach koloristischen Gesichtspunkten gruppiert. Der grau- 
braune Felsboden des Vordergrundes an den beiden Seiten der 
Figurenkompositionen in zwei schieferartigen Felsblöcken aufsteigend, 
geht in den grünen Mittelgrund über, dessen Waldmassen, aller- 
dings noch nicht durch breitere Lichtkontraste gegliedert, in leb- 
haften, oft sogar kleinlichen Umrifslinien von dem Gebirgsstreifen 
am Horizonte sich abheben. 
Wem der gröfsere Anteil an der landschaftlichen Ausführung 
zugesprochen werden darf, Hubert oder Jan, läfst sich kaum ent- 
scheiden. Südliche Vegetationsformenl), wie sie in fast allen 
Teilen der Landschaft sich finden, lassen an Jan denken, der in den 
Jahren I428-29 einer Mission des Herzogs Philipp nach Portugal 
beigegeben war, und der daher Reminiscenzen an. diese Reise in 
dem 1432 vollendeten Altarwerk wohl verwerten konnte; doch 
stehen diese Einzelformen nicht im Einklang mit dem Gesamt- 
charakter der Landschaft, der vielmehr an ein Hochgebirge er- 
innert und in einzelnen Teilen (z. B. auf dem Flügel der h. Pilger) 
geradezu nordische eindrücke wiederspiegelt. Schon solche Wider- 
sprüche, welche sich noch weit mehr ins einzelne verfolgen lassen, 
verraten die Thätigkeit zweier Hände, die sich indes nicht überall 
genau unterscheiden lassen. 
Den gröfseren Anteil werden wir immerhin Jan zuschreiben 
dürfen, da auch die Tradition?) für seine besondere Befähigung als 
Landschaftsmaler ins Gewicht fällt. Freilich zeigt sich Jan in seinen 
selbständigen Werken sehr ungleich als Landschafter, so dafs wir 
aus denselben kaum einen Rückschlufs auf seinen Anteil am Genter 
Altarwerk ziehen können. 
In einem seiner früheren Bilder, der Madonna des Kanzlers 
Rollin im Louvre, führt er eine Art der landschaftlichen Darstellung 
ein, die seither mit grofser Vorliebe in seiner Schule aufgenommen 
wurde. Aus einer hoch gelegenen Halle, in der die Figuren- 
I) Schon van Mander hebt hervor: vin't Landschap zijn veel 
vreemde Boomenw, Ausg. v. 1617, fol. 124, sp. 4, abgedr. bei Crowe 
Springer, p. 438. 
2) Dafs Jan selbständig Landschaften mit Staffage genxalt habe, 
Anonymus Morelli Ed. 1800, p. I4 und van Mander bestätigt es. 
uptlandsche 
u. Cav. Ed. 
bezeugt der
        

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