Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623330
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Gotischer 
Stil. 
Die 
Schule. 
Handrische 
zu finden glaubte, als in anderen Kunstwerken vom Ausgang des 
XIV. Jahrhunderts, so dürfte dies unter der moralischen Pression 
geschehen sein, Vorgänger für den Naturalismus der Brüder van 
Eyck auf flandrischem Boden zu suchen. Auffallenderweise 
ist der letztere dieser Künstler, Bröderlam, neuerdings von belgischer 
Seite der elsässischen oder westfälischen Schule zugewiesen worden I), 
woraus doch wohl hervorzugehen scheint, dafs seine naturalistischen 
Neigungen ihn nicht allzusehr von der deutschen Kunst jener Zeit 
scheiden. 
Die Handrische Schule. 
Die naturalistische Richtung war in jener Zeit allgemein; trotz- 
dem bleibt den Brüdern van Eyck das Verdienst, in dieser 
Richtung den für die Entwicklung der Landschaftsmalerei ent- 
scheidenden Schritt gethan zu haben. Fast immer sind es einzelne 
geniale Künstler, welche die Leistungsfähigkeit ihrer Zeit auf die 
Höhe der lange vergeblich angestrebten Ziele erheben; mag der 
Fortschritt in einem energischen Bruch mit der Tradition bestehen, 
oder den abschliefsenden Grad einer Entwicklung bezeichnen, stets 
wird er von einer mächtigen Persönlichkeit getragen erscheinen. 
So knüpft man denn auch mit Recht die eigentliche Entdeckung 
der landschaftlichen Schönheit für die Tafelmalerei an die Namen 
jener beiden flandrischen Brüder, deren malerisch gelegene Heimat, 
Maaseyck, ihnen wohl den Blick für die Reize landschaftlicher Um- 
gebung schärfen mochte. Rühmt doch schon van Mander die 
wheerlycke Riviere de Maasex und der merkwürdige Umstand, dafs 
auch Herri met de Bles und Joachim de Patenier, die beiden ersten 
selbständigen Landschafter der niederländischen Schule, von den 
Ufern der Maas stammen, verdient Erwähnung. Es wäre indes 
ebenso vergeblich, nach dem Grund solcher Begabung in äufseren 
1) Edgar Baes sagt in Seiner histoire de 1a peinture de paysage, Gand 1878, 
p. 30 von ihm: vcet artiste appartient sans doute ä Tecole de l'Alsace ou de 1a 
Westphalie: ses ombres tranchäes, sa couleur et un manque de vigueur sembleraient 
Pindiquerm Neuestens will derselbe Schriftsteller Bröderlam gar zu einem Schüler 
Giottos oder Memmis  machen. s. Recherches sur les origines de Part Hamand. 
Bull. d. 00mm. roy. d'art et d'archeo10gie. Bruxelles 1885.
        

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