Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623327
Gotischer Stil. 
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sind die unruhig bewegten Gruppen einer Kreuzigung im Gedränge I), 
auf einem Terrain angeordnet, welches im Vordergrund hellgrünen 
blumigen Rasen zeigt, zu beiden Seiten nach dem Hintergrund zu 
stark ansteigt und zwei Bauwerke trägt. Einen Schritt weiter geht 
eine andere Kreuzigung aus der Schule Meister Wilhelms z), wo der 
Hintergrund bereits leise abgetönt und das Laubwerk der noch un- 
proportionierten Bäume im einzelnen sehr sauber ausgeführt ist. 
Die braunen Hügel des Mittelgrundes sind freilich noch nicht irgend- 
wie rhythmisch gruppiert, aber die erste -wenn auch nur unklare 
 Andeutung von drei Gründen verdient schon an sich in dieser 
Epoche der kölnischen Malerei Beachtung. Ein anderer tüchtiger 
Schüler des Meisters 3) tönt bereits den Horizont ab, und in einem 
etwas späteren Cyklus von Darstellungen aus dem Leben Christi4) 
finden wir bereits ein festes Kompositionsschema für die landschaft- 
lichen Gründe. Meist wird die Darstellung durch zwei Felsen im 
Vordergrunde eingefafst, welche einen Durchblick in die blau ge- 
tönte Ferne gestatten 5). Eine frühe Darstellung der Ursulalegende 6) 
führt uns sogar das Bild des damaligen Köln mit historisch ge- 
nauer Architektur vor, deren Perspektive gar nicht ungeschickt 
durchgeführt ist. Den Rheinstrom im Vordergrunde sucht der 
Künstler allerdings noch in archaischer Weise durch in die Wellen 
hineingezeichnete Fische zu verdeutlichen. 
Es sind dies mehr oder weniger kindliche Versuche, aber ihre 
Anführung wird genügen, um der Ansicht den Boden zu entziehen, 
als kenne die deutsche Malerei vor dem Eindringen des Handrischen 
Einflusses die Landschaft überhaupt nicht. Es finden sich in jener 
Zeit in Deutschland ebensowohl Anzeichen des anbrechenden Natura- 
lismus, wie in den Niederlanden, und wenn n1an in den Arbeiten 
eines Daliwes und B r öde r l am mehr Sinn für Natur und Landschaft 
1) Museum NVallraf-Richartz Nr. 4.2. 
2) ebda. Nr. 44. 
3) ebda. Nr. 90 a. 
4) ebda. Nr. 96. 
S) Dasselbe Schema auch auf dem Sippenaltar 
kölner Mus. 
ß) ebda. Nr. 99. 
derselben 
Schule 
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