Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623311
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Gotischer Stil. 
tiguren und diese Wurden, um die Illusion eines edeln als Mal- 
grund benutzten Materials hervorzurufen, meist auf Goldgrund ge- 
setzt, von dem sie sich kräftiger abhoben, ohne doch starker Mo- 
dellierung zu bedürfen, welche in der Temperatechnik Schwierig- 
keiten machte. 
Gegen Ende des XIV. Jahrhunderts, also vor dem Einflufs 
flandrischer Kunst, tauchen in der deutschen Tafelrnalerei vereinzelte 
und nicht gerade immer gelungene Versuche auf, den landschaft- 
lichen Hintergrund der Scenen nach Art der Miniaturen anzudeuten. 
So finden wir in einem Werk der böhmischen Schule aus der 
zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts, dem Nebenaltar der Vitus- 
kirche zu Mühlhausen in Schwaben, bereits Landschaftsgründe, über 
denen sich bald der natürliche bald ein Goldhimmel spannt I). Auch 
in der schwäbischen Kunst dieser Zeit zeigten sich ähnliche An- 
sätze zum Naturalismus, wie der Hauptaltar derselben Kirche be- 
weist, in dessen landschaftlichen Gründen Grüneisens) sogar bereits 
eine ganz tüchtige Kenntnis der Perspektive erkennen will. Selbst die 
altkölnische Schule, der man so gerne Beobachtung der Natur 
abzusprechen geneigt ist, kann der landschaftlichen Beigaben nicht 
ganz entraten. Ein ziemlich rohes Antependium aus dem XIV. Jahr- 
hundert3) zeigt solche in einzelnen Scenen (Verkündigung an die 
Hirten, Einzug in Jerusalem, Christus am Ölberg, Erscheinung 
Christi vor Maria Magdalena). Die idyllischen Rosenhage und blu- 
migen Wiesenplane mit ihren Blüten- und Fruchtbäumen, in deren 
Kronen sich Vögel wiegen, wie sie in den Madonnendarstellungen 
aus der Schule des Meisters Wilhelm (Ende des XIV. Jhdts.) 
nicht selten sind 4), seien nur erwähnt, um die innige Naturfreude 
auch dieser Richtung der kölnischen Schule zu kennzeichnen. 
Aber auch gröfsere Tiefenkompositionen fehlen nicht ganz. So 
 cf. Kunstblatt 1840, p. 404. 
1) Kunstblatt 1840, p. 403 u. 405. 
3) Köln, Mus. Wallraf-Richariz Nr. 35 (Nummern nach dem Führer von Niefseil, 
Köln x863). 
4) Es sei hier namentlich auf die Frankfurter Madonna im Blumenhag (Wolt- 
mann, Gesch. d. M. I, p. 113) und den Berliner Flügelaltar (Katalog Nr. 1x38) 
hingewiesen.
        

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