Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623304
Gotischer 
Stil. 
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Zeit trotz der stilistischen Umbildcng nicht wesentlich verändert; 
immer galt noch die ßinstructio nescientiumx als vornehmste Auf- 
gabe, und die Deutlichkeit des Ausdruckes hätte bei einer Erweite- 
rung der Darstellung durch unwesentliche Beigaben, als welche 
landschaftliche Scenerieen in der Bilderßbel der mittelalterlichen 
Kirche doch immer noch betrachtet wurden, nur Einbufse erlitten. 
Überdies stand die Phantasie des gotischen Kirchenmalers, der meist 
der Steinmetzenzunft zugesellt wurde, völlig unter dem Banne des 
architektonischen F ormgedankens; die Auflösung des massiven 
Baukörpers in ein Gerüst von Streben und Stützen entzog dem 
Wandmaler die breite Fläche für seine Kompositionen. Der Glas- 
inaler tritt an seine Stelle; eine Verquickung von tektonischem und 
Teppichstil giebt sich in dessen Werken kund und überträgt sich 
auch auf das später aufkommende Tafelbild. Umrahmung und 
Gliederung folgen den Gesetzen der gotischen Architektur, die Bild- 
flachen werden wie Teppiche in den so gegliederten Rahmen ein- 
gespannt. Der Begriff spezifisch malerischer Formensprache und 
Komposition geht in der monumentalen Malerei dieser Periode ver- 
loren. Die Stilisierung der geringen vegetabilischen Beigaben er- 
hält sich länger, als in der Miniaturmalerei 1). 
In den wenigen erhaltenen profanen NVandmalereien und den 
niederdeutschen gestickten Teppichen des XIV. Jahrhunderts fehlt 
es nicht an landschaftlichen Andeutungen 2), meist jedoch in der 
alten Weise. 
Die Tafelmalerei entwickelte sich aus der Bemalung ein- 
zelner Geräte (Antependien, Möbel) und dieses erklärt den dekora- 
tiv-tektonischen Charakter der ältesten Tafelbilder, 
Die Darstellungen beschränkten sich anfangs meist auf Einzel- 
1) cf. die unter italienischem Einflufs stehenden Wandmalereien des Klosters 
Emaus bei Prag aus dem Ende des XIV. ]hdts., die Landschaften haben (WVolt- 
mann, Gesch. d. M. I, 394). Dagegen die völlige Abneigung gegen die Landschaft 
in den niederrheinischen Wandmalereien der gotischen Zeit bei E. aus'm Weerth, 
a. a. O. 
2) In den Wandgemälden des Schlosses Runkelstein bei Bozen ist das Land- 
schaftliche ßmit feinem Gefühle GIIIWOTIGDW. cf. Mitt. d. k. k. Centr. Komm. 1878. 
p. XXVII. Die Quedlinburger Teppiche bei Mitthof, Archiv für Niedersachsens 
Kgesch. II u. III. T. V H.
        

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