Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623177
Romanischer Stil. 
bereits erwähnten Bogenlinien, welche wohl Unebenheiten des 
Bodens andeuten sollen, aber zuweilen auch zur Belebung des 
obersten (Wolken-ÜStreifens benutzt werdenl). Diese Stilisierung 
des Erdbodens, die wir in ihren Anfängen bis in die karolingische 
Kunst zurückverfolgen können, wurde im Lauf der romanischen 
Periode immer strenger schematisiert, so dafs sie schliefslich dem 
romanischen Schuppenornamentß) ähneltß) und auch als Typus für 
das den Boden bedeckende Gewächs und Gebüsch 4) gebraucht wird. 
Ist das Terrain ansteigend zu bilden, sind Berge, Felsen oder An- 
höhen darzustellen, so rückt man diese völlig in den Vordergrund 
und füllt die Umrisse ohne Modellierung einfarbig auss). Seltener 
finden sich in dem jüngsten Gericht in St. Georg zu Oberzell (X. Ihdt. cf. Kraus' 
Public. der dortigen Wandgemälde 1884). Ferner in den Deckenbildern der Kirche 
von Zillis XII. Jhdt. (cf. Mitt. d. antiqu. Ges. in Zürich XVII) und in den Mi- 
niaturen bereits seit der karolingischen Epoche. So in dem bamberger Evangeliar 
Nr. 267, X. Jhdt. (cf. Waagen, K. u. Kwe. in Deutschland p. 97), dem pariser 
Evangeliar Otto II. (973-983) bibl. nat. lat. 8851 (cf. Waagen, K. in Kwe. in 
Paris p. 266), d. Gebetbuch aus Kloster Prüm (Ende d. X. Ihdt.) Paris bibl. Nat. 
lat. 9448 (cf. Labarte, a. a. O. II, p. 51) etc. etc. Der einfarbige Hintergrund 
tritt neben dem gestreiften schon frühe auf. Der Goldgrund findet sich in der deut- 
schen Miniaturmalerei zuerst unter Otto III. (983-1002) in dem münchener Evan- 
geliar Cirnel. 58 und ist zweifellos auf byzantinische Muster zurückzuführen. Für den 
namentlich in der späteren französischen Miniaturmalerei so beliebten Schachbrett- 
grund, der sicher auch in der Textilkunst sein Urbild hat, dürfte eins der ältesten 
Beispiele ein pariser Evangelistarium aus der ersten Hälfte des XII. Jhdts. (Lavalliere 
Nr. 55) sein. cf. Waagen, K. u. Kwe. in Paris 277. 
I) S. Evangel. des berl. Kupferstichkab. H. III. (2. Hälfte d. XII. jhdts. Ab- 
geb. Ianitschek, Gesch. d. deutschen Mal.) Auch zur Andeutung der Wolken wird 
diese Ornamentation benutzt in den Deckenbildern der Kirche zu Zillis, cf. p. 27 
Anm. 1.  
2) Schnaase, a. a. O. IV, p. 144, fig. 53. 
 3) S0 z. B. in den Emailmalereien des Heribertschreines zu Deutz (Mitte d. 
XII. Ihdts.) E. aus'm Weerth, Kstdenkm. a. d. Rheinlanden. T. 44. Ferner; liber 
f-loridus der genter Universitätsbibl. (ca. 1125) fol. 57 u. 62. Evangel. Heinrich IV. 
zu Krakau, Woltmann I, 262. Evangel. d. h. Bernward v. Hildesheim X. Jhdt. 
Jahrb. d. Ver. d. Altertumsfr. i. d. Rheinl., Hft. 45, p. 211. Laxer in einem Psal- 
terium des berl. Kupferstichkab. Inv. 74, Physiologus d. XII. Ihdts. ebda. Hamilt- 
samml. etc. etc. 
4) Cahier u. Martin, Melangcs d'arch. II, F. 25. (XIII. Jhdt.) 
5) Unterkirche zu Schwarzrheindorf (XII. jhdt.) ef. E. ausim Weerth, Wand- 
malereien des M. A. i. d. Rheinlanden. T. 23, I4. 27. 28. 34. Brauweiler ebda. 
T. 4. I4, 22.
        

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