Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623140
Karolingische Kunst. 
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Der bedeutende Künstler, welcher um die Mitte des IX. Jahr- 
hunderts die Viviansbibell) illustrierte, wufste noch zwischen histo- 
rischer und ornamentaler Darstellung zu scheiden; während er in 
dieser die vegetabilischen Elemente geschmackvoll stilisiert, erkennt 
man in den landschaftlichen Details das Bestreben, ausführlich und 
möglichst naturgetreu darzustellen. Für Anordnung und Vertiefung 
der Gründe hat freilich dieser Künstler noch weniger Sinn als seine 
Vorgänger; ein geschlossenes Terrain kennt er nicht mehr, die ein- 
zelnen Figuren bewegen sich auf linearen Terrainandeutungen über 
einander, oder schweben ganz in der Luft. In der architektonischen 
Perspektive sind die allergröbsten Fehler vermieden, obwohl der 
Sinn für richtige Auffassung der Gröfsenverhältnisse auch hier 
mangelt z). 
Auch die Bibel in San Callisto (X. Jhdt.) zeigt noch laxe Be- 
handlung der Wolken, Wellen- und Baumformen. Die streifen- 
artige Anordnung ist hier strenge durch Linien, welche die einzelnen 
Gründe trennen, betont. 
Die wachsende Stilisierung des Laubwerkes nehmen wir in dem 
Psalterium aureum von St. Gallen wahr, besonders in der Darstel- 
lung der Salbung Davids (T. XII.) 3), wo aufser dem ganz orna- 
mental gestalteten Rankenwerk auch die Terrainbehandlung Auf- 
merksamkeit verdient; drei Reihen von Bogenstrichen übereinander, 
welche durch Beerengesträuch oder Kraut belebt sind, deuten das 
Erdreich an, eine Stilisierung, welche wir in der romanischen Zeit 
streng durchgeführt wiederfinden. David, welcher den Nachstel- 
lungen Sauls entfiieht und sich in das Gebirge zurückgezogen hat, 
ist rechts über dem auf einem aufwärts gebogenen Terrainstück 
ansprengenden Saul in einer stilisierten Höhle dargestellt, deren Ve- 
1) f. Bastard, Ecritures et peintures d'une bible offerte au roi Charles le Chauve 
par le comte Vivien. Paris 1883. 
2) Interessant ist die Abbildung eines Elephanten in dem Ornament dieser 
Bibel. Die recht barbariSChe Stilisierung läfst kaum auf ein lebendiges Modell 
schliefsen, obwohl wir wissen, dafs schon unter Karl d. Grofsen Elephanten in das 
fränkische Land kamen (Ann. Fuld. Pertz. Mon. Germ. Script. I, p. 353), der 
Künstler also einen solchen bereits gesehen haben könnte.  
3) Wir zitieren nach Rahns oben angeführter Publikation. vgl. auch T. XVI, 
ebenda.
        

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