Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623136
Karplingische Kunst. 
so z. B. in der lockeren Art des Baumschlages, die sehr bald 
zu Gunsten einer streng stilisierten Abbreviatur aufgegeben wurde, 
welche die Konturen der Baumkronen in geschlossenen Linien an- 
giebt 1). Bemerkenswert ist auch die Andeutung der Wolken durch 
ähnlich lose Strichlagen ohne festen Umrifs. Die Perspective ist 
verwildert, die einzelnen Gründe werden zusammenhangslos über 
einander geordnet, aber noch nicht, wie in späterer Zeit in einzelne 
"ferrainfetzen zerrissen. 
Im Zusammenhang mit dieser Verwilderung steht auch der 
Mangel an Sinn für Gröfsenverhältnisse, namentlich zwischen Ge- 
stalten und Architektur. Selbst, wo die letztere ausführlich dar- 
gestellt wird, also den Charakter einer Abbreviatur verliert, steht 
sie in schreiendem Mifsverhältnis zu der Gröfse der in ihrem Rah- 
men sich bewegenden Menschen. Das Auge des mittelalterlichen 
Künstlers war dagegen stumpf, und man nahm solche Abweichungen 
augenscheinlich als künstlerisches Gesetz auf welches durch die tech- 
nischen Bedingungen der Malerei gegeben schien ß). 
Die eigentliche Blütezeit der karolingischen Miniaturinalerei 
unter Karl dem Kahlen (T 877) zeigt bereits einen Fortschritt zur 
strengeren Stilisierung der vegetabilischen Elemente, den Labarte 3) 
auf byzantinische Einflüsse zurückführen will, während Rahn4) rich- 
tiger bemerkt: iDurchaus tonangebend bleiben diejenigen Formen, 
die ihren letzten Grund in der von allen germanischen Stämmen 
mit Vorliebe geübten Holzschnitzerei und Textilkunst habenß 
xNachahmungen wirklicher Pflanzen, von Blumen und Früchten ge- 
hören zu den Ausnahmenß 
 1) Ähnlichen nur derberen Baumschlag zeigt ein Evangel. franco-saxonicum aus 
der Mitte des IX. Ihdts. cf. Bastards Pub]. d. Viviansbibel Lief. 5. 
2) Feierte man doch die zeitgenössische Kunst als eine höchst naturalistische 
im Mittelalter, was darauf schliefsen läfst, dafs man in der That anders zu sehen 
gewöhnt war. cf. Belege bei Schnaase, a. a. O. III, 658, Anm, 1 und die treffen- 
den Ausführungen im Text. Um das mangelnde Gefühl für Gröfsenverhältnisse durch 
das ganze M. A. verfolgen zu können, empüehlt sich besonders eine Durchsicht der 
Darstellungen von Christi Einzug in Jerusalem, wo Zachäus im Baum und die aus 
dem Stadtthor kommenden Einwohner gute Beispiele bieten. 
3) a. a. O. II, 200. 
4) Das Psalt. aureum von St. Gallen. 1878, p. 17 u. m8.
        

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