Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623125
Karolingische Kunst. 
der kalligraphische Grundcharakter, der von der antinaturalistischen 
Initialornamentik der irländischen Kunst nicht unbeeinflufst blieb, 
die oft naturwidrige Umbildung der Einzelformen, so liegt in der 
Federzeichnentechnik ein gewisses Hindernis für die Ausführung land- 
schaftlicher Tiefenkomposition. Freilich reicht auch diese Erklä- 
rung nicht für alle Monumente aus, da der Zusammenhang, in wel- 
chem dieselben stehen, ein überaus lockerer ist, indes können wir 
die wenigen Miniaturen, die dieser Erklärung widersprechen, füg- 
lich als Ausnahmen betrachten. S0 z. B. die Federzeichnungen des 
Utrechtpsalters, deren Urheber entschieden einen kräftigen Natur- 
sinn offenbart. xNiemals fehlt der landschaftliche Hintergrund. Er 
erscheint zwar flüchtig behandelt, zeigt stets dieselben Motive. Nur 
eine Bergform kommt vor, die Form des abgeplatteten Kegels, 
bald isoliert stehend, bald mehrere aneinander geschoben. Auch 
die Baumform wechselt nicht; immer stofsen wir auf denselben 
knorrigen Stamm mit zahlreichen Astlöchern und schütteren zu 
Büscheln geordneten Blättern. Nicht auf den Grad der Ausführung 
und die Mannigfaltigkeit des Details kommt es aber an. Entschei- 
dend ist, dafs der Zeichner den Drang empfand, die Scene in die 
offene Landschaft zu verlegen, und dafs er wenigstens. einzelne 
Motive der Natur ablauschte. Keine künstlerische Schilderung des 
frühen Mittelalters reicht in dieser Beziehung an die Bilder des 
Utrechtpsalters heram I). 
Suchen wir für diese Erscheinung einen Erklärungsgrund, so weist 
sie uns zunächst vom Hofe und der dort herrschenden Richtung fort 
auf eine unbehindert frei schaffende Privatkunst, welche die Gelegen- 
heit epischer Schilderung benutzt, um derselben die landschaftliche 
Umgebung zu schaffen, welche die Phantasie unwillkürlich verlangt. 
Soweit Technik und Kenntnisse es ermöglichen, wird die Landschaft 
ausgeführt. Freilich wirkt auch hier die technische Tradition der 
Initialornamentik nach, indem das Laubwerk hie und da als Orna- 
ment, einzelne Naturformen als Typen behandelt werden. Im all- 
gemeinen läfst sich dennoch die Naturanschauung nicht verkennen, 
I) Springer. 
Wiss. 1880. 
die 
Psalterillustr. 
im 
frühen 
Abhdl. 
sächs. 
Ges.
        

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