Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623113
Karolingische Kunst. 
füglich aus den bereits oben erwähnten Gründen die eigentliche 
Hofkunst von der mehr privaten Klosterkunst trennen. Die Denk- 
mäler der ersteren Art bieten für unsern Zweck geringe Ausbeute, 
da sie in engem Anschlufs an römische Vorbilder auch der antiken 
Naturpersonifikation einen breiten Raum gewähren. Monumente, 
welche wdie Fortpflanzung formaler Traditionem aus der früh- 
christlichen Zeit hätten vermitteln können und den karolingischen 
Künstlern als Vorbilder am nächsten standen, wie etwa der 
Ashburnham-Pentateuch, zeigen eine merkwürdige Abkehrung von 
der Natur I). Dazu kommt, dafs die für den Hof geschriebenen 
Manuskripte meist nur Repräsentationsbilder enthielten, in denen 
wenig Raum für landschaftliches Beiwerk war. Aber die in den 
Klöstern und für deren Gebrauch von Mönchen gefertigten Minia- 
turen? Liegt es nicht nahe, in der reizvollen Naturumgebung und 
stillen Mufse der Betrachtung, in der die Klosterilluminatoren ihre 
Werke schufen, mächtige Anregung für den Natursinn und seine 
Bethätigung in malerischer Naturwiedergabe zu suchen? Dem ist 
zunächst entgegenzuhalten, dafs lebhaftes und inniges Naturgefühl 
sich durchaus nicht notwendigerweise in dem Streben nach aus- 
führlicher Schilderung der Naturgegenstände äufsern mufs, vielmehr 
kann dasselbe sich in einzelnen poetischen Vergleichen, welche die 
Beziehung des Menschen zur Natur ausdrücken, viel unmittelbarer 
kundgeben, während malerische Darstellung der Landschaft geistige 
und vor allem technische Vorbedingungen voraussetzt, welche von 
der Naturliebe ganz unabhängig sind. Mit Recht sagt schon Theo- 
philus: vArtis pictorum prior est factura colorumß Sehen wir uns 
im Einzelfalle Zweck und Technik der Werke an, so bedarf es 
keines Zurückgehens auf die Naturauffassung der ganzen Zeit, um 
das Fehlen oder seltene Auftreten der Landschaften auch in diesen 
Miniaturen zu erklären. 
Die fränkische Miniaturtechnik ging von der Kalligraphie aus 
und bevorzugte dem entsprechend die Federzeichnung. Erklärt uns 
 cf. Springer, d. Genesisbilder in d. K. d. frühen M. A. Abhdl. d. sächs. 
Ges. d. W. x884. Über das eine rätselhafte Baumbild in dem Ashburnhannnanu- 
script s. ebda. p. 719.
        

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