Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623067
Karolingische Kunst. 
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Auffassung bekannt haben, der berechtigte Widerspruch regte sich 
doch hie und da, und besonders bei den Künstlern der karolingischen 
Periode. Die karolingische Kunst nahm überhaupt eine gewisse 
weltliche Selbständigkeit für ihr Schaffen in Anspruch, und, wenn 
für irgend eine Epoche der mittelalterlichen Kunstgeschichte der 
Satz von der sklavischen Abhängigkeit der Künstler vom Klerus 
falsch ist, so ist er es in dieser Periode. Die libri Carolini II, 27 
sprechen geradezu von den xopiflcliS mundanarum artiuma, und 
lib. III, 22 wendet der Verfasser sich gegen den Kanon der nicä- 
nischen Synode, welcher die Malerei eine fromme Kunst genannt 
habe: die Kunst des Malers sei nicht frommer oder unfrommer als 
jede andere wars mundanar, denn sie stelle ebensowohl DHCIUS 
hominum pioruma als auch wimpietates multas, id est trucidationes 
hominum, atrocitates belli, crudelitates sceleratorum, immanitates 
ferarum, impetus bestiarum vel cetera his similiaa dar. Auch ab- 
gesehen von ihrem Inhalt ist die Malerei keine spezifisch kirchliche 
Kunst, denn der Maler verfährt bei der Anlage und Ausführung 
seiner Werke nur nach rein künstlerischen Gesichtspunkten: xplCtOf 
vero patrandi operis loca congrua appetens, in horum formatione 
tantum venustatem et operis supplementum quaeratw). Die Bilder 
sind Dinge wquae cuiuslibet artiücis conduntur arbitrior (lib. III, 26). 
Schliesslich versagt man dieser Selbständigkeit auch nicht die An- 
erkennung, indem man den Wert der Kunstwerke von ihrer künst- 
lerischen Qualität, und nicht von ihrem geistlichen Inhalt abhängig 
macht: vhae (scil. imagines) pro artificis ingenio in pulchritudine 
et crescunt et quodammodo minuunturr (lib. II, 27). Und dal's 
diese Auffassung nicht nur dem polemischen Zweck der karo- 
lingischen Schrift angepafst ist, geht daraus hervor, dafs auch 
Walafried Strabo, de reb. ecclesiasticis cap. 8, sagt, dafs die Kunst- 
werke von den Künstlern nur wpropter artis decorem et con- 
venientiamr ausgeführt werden (Max. bibl. Patr. XV, I8 5). Duran- 
dus von Mende bestätigt im XIII. Jahrhundert in seinem Rationale 
divinorum officiorum, das man als abschliefsende Kodiiikation der 
kirchlichen Kunstanschauungen des Mittelalters betrachten kann, 
I) lib. II, 27. 
Kaemmerer, Die Landschaft in der deutschen Kunst.
        

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