Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623059
Kunst. 
Karolingische 
Zu solchen AllegoriedarstellungenI) benutzte man die Formen 
der Natur, die man da, wo sie am Platze waren, wiederum durch 
allegorisierende Personifikationen ersetzte. Diese Umkehrung des 
natürlichen Verhältnisses hilft uns auch die naturwidrige Stilisierung 
der Naturformen in späterer Zeit verstehen. 
Der lehrhafte Charakter der Kunst in der karolingischen 
Epoche ist indes nur eine besondere Erscheinungsform jener durch 
das ganze Mittelalter verbreiteten Auffassung, dafs die Malerei 
durchaus nur als Bilderschrift zu betrachten und zu benutzen sei, 
einer Auffassung, welche bereits in der griechischen Kirchenlitteratur 
des IV. Jahrhunderts auftrittz) und im VII. Jahrhundert in Gregor 
dem Grofsen ihren klassischen Vertreter findet. Der Umstand, dais 
der letztere Kirchenvater fast stets als ältester Gewährsmann zitiert 
wird, darf uns daher nicht verleiten, zu glauben, dafs diese Auf- 
fassung erst im VII. Jahrhundert entstanden sei. Sie ist vielmehr 
die eigentlich christliche und eine theoretische Begründung der alt- 
christlichen Bilderschrift. Charakter und Zweck der Malerei werden 
darnach in Gregors oft zitierten Worten ausgedrückt: wQuod legen- 
tibus scriptura, hoc idiotis praestat pictura cernentibusx (Ep. lib. IX, 
ep. 9) und Ep. lib. VII, ep. 3: xIdcirco pictura in ecclesiis ad- 
hibetur, ut hi, qui litteras nesciunt, saltem in parietibus videndo 
legant, quae legere in codicibus non Valentxc Damit ist e i n 
für allemal ausgesprochen, dafs der künstlerische 
Selbstzweck in der christlichen Kunstdarstellung des 
Mittelalters zurücktritt und Elemente, welche nur 
diesem Zwecke dienen; wie die landschaftliche Er- 
weiterung und Ausschmückung der Scenen, keinen 
Platz in der Bilderschrift finden, da diese das Ziel der 
Deutlichkeit am besten durch konventionelle Typen 
und Abbreviatur alles Überflüssigen erreicht. 
Indes, mochte man im allgemeinen und offiziell sich zh dieser 
1) Ein erhaltenes Beispiel der Art findet sich in dem genter Exemplar des 
Liber fioridus aus dem Anf. d. XIII. jhdts, WO ein Baum der Wissenschaften sowie 
ein solcher der Tugenden und Laster abgebildet ist. 
2) Basilii See. Opp. ed. Garn. II, p. 149. Auch der Verfasser der libri Ca- 
rolini, der Gregor zitiert, setzt hinzu, dass die vinstructio nesCientiumcc von altersher 
(antiquitus) der eigentliche Zweck der Malerei gewesen sei.
        

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