Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623034
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Karolingische Kunst. 
depingunt, aut floribus vernans, ut ver, aut aestibus exustam 
vel etiam segetibus onustam ut aestatem, aut vindemiae labris vel 
botris oneratum ut autumnum, aut modo frigoribus algidam modo 
ignibus se calefacientem modo animantibus pabulam praebentem 
modo nimiis frigoribus marcidas volucres capientem, ut hyemem, 
Scripturis divinis in quibus haec ita minime continetur, contraire 
noscunturiß 
Dieser Angriff auf die Naturpersonifikationen beweist erstens, 
dal's dieselben in karolingischer Kunst oft die Stelle der realistischen 
Landschaft vertraten, sowie zweitens, dafs nur diese Art der Natur- 
darstellung, keineswegs aber die letztere schlechthin verpönt wird. 
sSchriftwidrig kann man diese Vorstellungen doch nur in dem 
Sinne nennen, dafs die Schrift die natürlichen Dinge in ihrer wirk- 
lichen Gestalt schildert und voraussetzt; schriftwidrig ist daher 
naturwiclrig und der Tadel mithin gegen die Abweichung von der 
Natur oder das willkürliche Schaffen der Phantasie gerichteta I). 
Auch andere karolingische Schriften bezeugen uns, dafs natur- 
feindliche Tendenzen dem fränkischen Klerus durchaus fernlagen, 
so ist namentlich Hrabanus Maurus (ca. 785-856) von grofser Na- 
turliebe beseelt und sucht dieselbe in seinem encyklopädischen Werk 
auch theologisch zu begründen. Gelegentlich der Besprechung der 
sportentaa (de universo VII, cap. 7) sagt er von diesen: wnon sunt 
contra naturam, quia divina voluntate Hunt, cum voluntas Creatoris 
cuiusque conditae rei natura sit. Unde et ipsi gentiles Deum modo 
naturam modo Deum appellanta und am Schlufs des 7. Kapitels: 
sDCüS est sanctus in omnibus operis suism In der Einleitung zum 
neunten Buch seiner Encyklopädie, die übrigens in vielen Punkten 
von älteren Quellen, namentlich den Etymologieen des Isidorus von 
Sevilla abhängig ist, versteigt sich der gelehrte Bischof von Mainz 
sogar zu dem Satz: xNihil (enim) mundo pulchrius oculis carnis 
aspicimusa, und die Schilderung des Paradieses (lib._XII, cap. 3) 
verrät auch den Naturfreund; dieser vhortus deliciaruma est enim 
ligni et pomiferarum arborum consitus, habens etiam et lignum 
vitae: non frigus non aestas sed perpetua aeris temperies, ex cuius 
Schnaase, 
Gesch. 
III. 
622.
        

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