Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622998
Germanentum. 
bekannten Stelle ausdrücklich hervor: ceterum nec cohibere parie- 
tibus deos neque in ullam humanioris speciem assimulare ex ma- 
gnitudine caelestium arbitrantur. lucos ac nemora consecrant deo- 
rumque nominibus appellant secretum illud, quod sola reverentia 
vident. (Germania cap. 9. u. die in der Anm. der Ed_ Orelli ange- 
zogenen Parallelen.) Die Erscheinungen des Himmels, Sonne, 
Mond, Gestirne, Finsternis, Regenbogen, Sonnenuntergang, Tages- 
anbruch, sowie Pflanzen, Bäume, Wälder, Tiere greifen vielseitig in 
den germanischen Glauben ein!) und haben ihre Bedeutung in 
Brauch und Sitte bis tief in die christliche Zeit hinein gewahrt. 
Davon zeugt nicht nur eine Bestimmung Karls des Grofsen gegen 
die Naturverehrung z), sondern auch künstlerische Niederschläge in 
den Denkmalen germanisch-christlicher Poesie in karolingischer Zeit, 
wie im Heliand und Muspilli. 
In den ältesten Regungen des bildenden Kunsttriebes auf ger- 
manischem Boden indessen offenbart sich eine merkwürdig abstrakte, 
von der Natur abgekehrte Richtung der Phantasie. Jene rein linea- 
ren Verschlingungen, die in der ältesten germanischen Ornamentik 
die Hauptrolle spielen und die nordische Formensprache sicher am 
reinsten bewahrt haben, zeigen völligen Mangel an Verständnis für 
die Natur und ihre Formen. Die ungezügelte Phantasie eines Vol- 
kes, welches jene nur von ihrer schreckhaften Seite kennt, äufsert 
sich nicht nur in jenem Schling- und Riemenwerk, auch Tierformen 
finden sich in dieser Ornamentikä), aber DCS ist charakteristische, sagt 
Schnaase t), wdais die germanische Phantasie sich nicht den milden 
und geregelten Erscheinungen der Pflanzenwelt, sondern dem Tier- 
leben, und zwar wilden, schädlichen, drohend aufgefafsten Tieren 
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Diese Keime waren indes einer selbständigen Entwicklung 
kaum fähig, und es bedurfte der Berührung mit einer fest- 
geschlossenen Kultur, um sie zu künstlerischen Fähigkeiten um- 
1) G-rihidm, deutsche Mythologie (4. Auii.) I, 56. 57. 86. II, Vorrede XXXVII 
ff. u. cap. XXI. Ferner: Mannhardt, D. Bauml-zult der Germanen u. Schuaase, Gesch. 
a. b. K. rv, p. 51 rr. 
a) Caroli M. Capitul. Sax. 21 Canc. III, p. 68. 
3) Sophus Müller, die Tierornamentik im Norden. Hamburg 1881. 
4) Gesch. d. b. K. II, 596.
        

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