Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622929
Katakomben. 
gestalt. Er vermifste nicht die landschaftliche Umgebung, welche 
für einzelne Scenen, wenn sie als historische Darstellungen hätten 
gelten sollen, ihm kaum entbehrlich erschienen wäre. 
So sehen wir allmählich mit anderen künstlerischen Fähig- 
keiten auch die der Landschaftsmalerei durch den Mangel an Übung 
verloren gehen, ohne dafs man die einzelnen Faktoren, welche zu 
diesem Verfall beitrugen, in ihrer Bedeutung schärfer zu unter- 
scheiden vermochte. Oft erklärt im Einzelfall der besondere Zweck 
oder Inhalt der Darstellung das Auftreten bez. Fehlen des land- 
schaftlichen Beiwerks, und ein konstantes Fortschreiten des Verfalls 
läfst sich in der Landschaftsmalerei eben so wenig wie in der Kunst 
dieser Periode überhaupt nachweisen. 
Wir beschränken uns darauf, einige Darstellungen altchrist- 
licher Malerei aufzuzählen, in denen sich landschaftliche Elemente 
mehr oder weniger oft finden. Der die Natur durch sein Saiten- 
spiel bezähmende Orpheus, dessen antitypische Beziehung zu Christus 
neuerdings in Abrede gestellt worden ist, wird vorzüglich oft in brei- 
terer Landschaft dargestellt I), ebenso der gute Hirt, der fast immer 
von zwei Bäumen umrahmt erscheint 2). Auch bei anderen Gestalten 
symbolischen Charakters fehlt es an landschaftlicher Umgebung 
nicht; ich nenne nur Psyche, im Ährenfelde Blumen piiückend3). 
Natürlich übernahm die altchristliche Kunst mit der Formensprache 
der Antike auch eine grofse Anzahl jener anthropomorphen Natur- 
darstellungen, an denen namentlich die römische Kunst so reich 
ist: Coelus, S01, Luna, Tellus und vor allen häufig den Typus des 
ruhenden F lufsgottes mit der Urne, der als Jordanus fluvius noch 
bis in das späte Mittelalter hinein seine Rolle spielt. Christliche 
und heidnische Symbolik fanden sich überhaupt häufig auf dem 
Gebiet der Naturerscheinungen, und zwar sind es besonders Dar- 
stellungen aus dionysischen Kreisen, die hier in Betracht kommen; 
der Dionysosmythos aber xdramatisiert den im Iahreslauf sich voll- 
I) Garrucci, Storia. del1' arte christiana II, T. 25 u. 30. 
2) Garrucci, a. a O. II, T. 16, 2. 18, z. 2x, I- 331 1 u- 3- 34, 2 u. 6. 
35, 2. 37. d'Aginc0urt, hist. de Part p. 1. monum. V, T. S, 4- 12, 11- SChl-llfle, 
Katakomb. p. 113 zählt ca. 150 erhaltene Darstellungen des guten Hirten. 
 3) Garrucci, a. a. O. II, T. 20, x. 2. 3. 
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