Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622913
Katakomben. 
denn auch das Auftreten des landschaftlichen Beiwerks in den Dar- 
stellungen der frühchristlichen Kunst. Wo z. B., wie in Neapel, gute 
landschaftliche Vorbilder und die Absicht vorhanden war, die Ar- 
cosolwände reicher auszustatten, begegnen wir völlig selbständigen 
Landschaftsdarstellungen in den Katakomben von S. Gennaro de" 
Poveril). Spärlicher sind die landschaftlichen Beigaben in den rö- 
mischen Katakombenmalereien, welche im ganzen Hüchtiger und 
handwerksmäfsiger ausgeführt sind. Die frühesten dieser Malereien, 
im Coemeterium der H. Domitilla zeigen Reste von selbständigen 
Landschaftsdarstellungen im pompejanischen Stil 2). Einer per- 
spektivischen Vertiefung und einer dementsprechenden Gruppierung 
der landschaftlichen Elemente war die Anbringung der umfangrei- 
cheren Malereien an dem Stukküberzug der Decke ohnehin nicht 
günstig3). 
Wie wir sehen, erklärt sich bereits aus äufseren und rein tech- 
nischen Ursachen das Zurücktreten der landschaftlichen Gründe, 
deren breitere Ausführung weder im künstlerischen Bedürfnis noch 
im technischen Vermögen jener Zeit lag. Keineswegs dürfen wir 
etwa der transzendentalen Richtung der christlichen Lehre und 
einer angeblich damit verbundenen Mifsachtung der Natur einen 
grofsen Einflufs auf diese Erscheinung beimessen. Erst seit dem 
dritten Jahrhundert betont man die symbolische Beziehung des 
künstlerischen Schmuckes zu christlichen Gedanken in bestimmter 
Weise. Dafs indes die im Laufe des dritten Jahrhunderts sich aus- 
bildende Bildersprache irgendwie anti-naturalistische Tendenzen zum 
Ausdruck gebracht hätte, ist durch nichts zu erweisen. Vielmehr 
werden die Zeichen und Bilder mit Vorliebe der Naturumgebung 
entlehnt: Palme, Ölzweig, Bäume, Lilien, Weinstock, Sterne, Fisch, 
Lamm, Taube, Hase, Hirsche, Adler, Schlange, Delphin, Pferde  
kurz,  fast alle Elemente landschaftlicher Staffage. Dem Beschauer, 
dessen Auge nur den prägnanten Ausdruck eines christlichen Ge- 
dankens im Bilde suchte, Wie dem Künstler genügte die Einzel- 
x) V_ Schultze, Die Katakomben von S. Gennaro 
z) Woltmann, Geschichte der Malerei I, p. 147, 
3) Schnaase, Gesch. d. b. K. 2. Aufl. III, 103. 
Poveri  
Jena 
1877-
        

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