Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Landschaft in der deutschen Kunst bis zum Tode Albrecht Dürers
Person:
Kaemmerer, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1622551
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1623952
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Albrecht 
Dürer. 
Es konnte nicht unsere Aufgabe sein, sämmtliche Werke 
Dürers auf ihre landschaftlichen Beigaben hin zu untersuchen, viel- 
mehr durften wir uns auf diejenigen beschränken, welche die 
Stellung Dürers in der Geschichte der deutschen Landschaftsmalerei 
in irgend einer Beziehung bestimmen. Fassen wir die Ergebnisse 
dieses Überblicks zusammen, so mufs an erster Stelle das land- 
schaftliche Naturstudium, wie wir es in den Veduten und Skizzen 
seiner Iugendzeit beobachteten, als Hauptfortschritt hervorgehoben 
werden. In der Komposition des landschaftlichen Hintergrundes 
sodann hat Dürer aus der weiten Naturübersicht, wie die alten 
Flandrer sie gaben, ein in sich geschlossenes Bild geschaffen, das 
er durch eine rhythmische Verteilung der kontrastierenden Massen 
und stärkere Hervorhebung der Vordergrundmotive gliedert und 
belebt.  
Er ist es auch, der zuerst die Landschaft zu individualisieren 
versteht, indem er sie in innerlichen Einklang zu den in ihr sich 
abspielenden Vorgängen setzt, ohne doch ihre Formen, wie seine 
Nachfolger thaten, gar zu willkürlich zu stilisieren. Durch seine 
Veduten und die Betonung des Idyllischen eröffnet er der kommen- 
den Zeit zwei neue Sondergebiete der Landschaftsdarstellung, zu- 
gleich sorgt er durch theoretische Begründung und litterarische 
Überlieferung seiner Grundsätze, denselben Verbreitung und Nutzen 
für Mit- und Nachwelt zu verschaffen. Sein Verständnis für die Be- 
deutung des Kolorits in der Landschaft dokumentiert sich mehr in 
den Aquarellen der Jugendzeit, als in den Gemälden, die sich auch 
an Reichtum landschaftlicher Motive mit den Handzeichnungen und 
Stichen nicht messen können. 
Die Hauptlehre indes, die er seiner Zeit zu verkünden berufen 
War, läfst sich vielleicht in jene Worte seiner Proportionslehre zu- 
Tagebuch nichts berichtet. Sie ist aus der ehemaligen Sammlung Grahl in den Be- 
sitz des British Museum übergegangen. Hier ist in der That schon der Keim für 
die späteren holländischen Kanallandschaften vorhanden. Die tiefe Perspektive des 
das Bild vertikal durchschneidenden Kanals, seine Hachen eintönigen Ufer, die von 
hohen Bäumen beschatteten Gebäude im Vordergrunde zeugen von einem Einblick 
in die Naturschönheiten der Niederlande, wie sie selbst manchem älteren Nieder- 
änder nicht eigen ist. Nähere Nachweise s. bei Thausing u. Ephrussi.
        

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